
Kinship in Old Norse Myth and Legend
Die familiären Beziehungen in altnordischen Mythen und Legenden waren oft angespannt, konkurrierend, sogar gewalttätig, aber auch liebevoll, beschützend und unterstützend.
Mit besonderem Augenmerk auf die Beziehungen zwischen den Generationen in den legendären Sagas, der Poetischen Edda und der Snorra Edda, zeigt dieses Buch nicht nur, warum Ambivalenzen so charakteristisch für mythisch-heroische Verwandtschaftsbeziehungen waren, sondern auch, wie sie trotz dieses Drucks bestehen und sogar gedeihen konnten. Besondere Aufmerksamkeit wird der Art und Weise gewidmet, wie das Geschlecht die Dynamik zwischen Eltern und ihren Kindern beeinflusst, sowie dem patronymischen Namenssystem, das in der altnordischen Gesellschaft vorherrschte, während überholte Annahmen über die Existenz einer besonderen Beziehung zwischen einem Mann und dem Sohn seiner Schwester, die aus der früheren germanischen Gesellschaft übernommen wurden, zum ersten Mal seit Jahrzehnten neu bewertet werden.
Das Ergebnis dieser umfassenden Studie ist ein neues Verständnis der altnordischen Verwandtschaft als dynamischer transpersonaler Prozess und nicht als präsoziales Faktum, bei dem das individuelle Selbst um die Verwandtschaft erweitert wurde. Ausgehend von den jüngsten anthropologischen Forschungen zur Verwandtschaft und mit spannenden Implikationen für unser Verständnis der altnordischen Persönlichkeit, der Emotionen und des Lebenslaufs, fordert dieses Buch seine Leser auf, viele der grundlegenden ontologischen Annahmen zu überdenken, die sie in ihre Interpretationen der altnordischen Mythen und Legenden einbringen.