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Village Gone Viral: Understanding the Spread of Policy Models in a Digital Age
Im Jahr 2001 strahlte das äthiopische Fernsehen einen Dokumentarfilm über ein kleines, ländliches Dorf namens Awra Amba aus, in dem Frauen pflügten, Männer in der Küche arbeiteten und es keine so genannten schädlichen traditionellen Praktiken gab. Der Dokumentarfilm stellte das vorherrschende Bild von Äthiopien als einem geschlechtskonservativen und von Hilfsgeldern abhängigen Land radikal in Frage, und Awra Amba wurde zu einem Symbol für die Gleichstellung der Geschlechter und nachhaltige Entwicklung in Äthiopien und darüber hinaus.
Village Gone Viral nutzt das Beispiel von Awra Amba, um die weite Verbreitung und Nutzung von Modellierungspraktiken in einer zunehmend transnationalen und digitalen politischen Welt zu untersuchen. Marit Tolo Steb untersucht kritisch die verborgenen Dimensionen von Modellen und Modellbildung, wobei sie sich insbesondere auf wandernde Modelle konzentriert - politische Modelle, die über verschiedene Vektoren "viral" werden, von NGOs und multilateralen Organisationen bis hin zum Internet.
Während ein politisches Modell als "best practice" präsentiert werden kann, das sich auf andere Orte übertragen lässt, sind die lokalen Auswirkungen des Modellparadigmas weitaus ambivalenter - sie können soziale Ungleichheiten verstärken, die soziale Schichtung verstärken und Ungerechtigkeit verschleiern. Mit diesem Buch plädiert Steb letztlich für eine reflexive kritische Anthropologie der Produktion, Verbreitung und Verwendung von Modellen als Instrumente für den sozialen Wandel.