
WechselWirkungen; Austria-Hungary, Bosnia-Herzegovina, and the Western Balkans, 1878-1918
Was können die postkolonialen Studien und ihre Ansätze zum Verständnis der österreichisch-ungarischen ( k. u. k. ) Besatzung und Verwaltung von Bosnien-Herzegowina von 1878 bis 1914 beitragen?
Der vorliegende Sammelband präsentiert einige mögliche Antworten auf diese Forschungsfrage, die auf einen Workshop an der Universität Antwerpen im Jahr 2005 zurückgeht. Später wurden weitere Forscher aus dem kleinen internationalen Kreis etablierter und aufstrebender Experten eingeladen, zu dieser neuen Perspektive auf das imperiale Intermezzo Bosnien-Herzegowinas beizutragen (das gewöhnlich von den beiden Weltkriegen und den jugoslawischen Erbfolgekriegen der 1990er Jahre überschattet wird). Alternative Lesarten sowohl der österreichischen als auch der bosnischen Geschichte, Literatur und Kultur sollen gleichsam als dritter Weg dienen, der die diskursiven Irrtümer der habsburgischen Nostalgie und der nationalistischen Selbstviktimisierung umgeht.
Die Aufsätze dieses interdisziplinären Bandes, der zum ersten Mal in gedruckter Form vorliegt, konzentrieren sich daher auf die Auswirkungen der österreichisch-ungarischen Präsenz auf Bosnien-Herzegowina und umgekehrt. Sie berücksichtigen sowohl das zeitgenössische imperialistische Umfeld als auch das nach Süden gerichtete Expansionsstreben der Habsburgermonarchie. Der doppelten Bedeutung des deutschen Titels WechselWirkungen nachgehend, betrachten die Autoren die Folgen von Besatzung, Kolonisierung und Annexion als einen beide Seiten betreffenden Paradigmenwechsel: nicht nur Intervention und Interaktion auf politischer, wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und religiöser Ebene, sondern auch auferlegte Hegemonie sowie Kulturtransfer und Hybridität. Schließlich wird der imperiale Blick auf die Balkanregion außerhalb der habsburgischen Territorien in Form von drei exemplarischen Fallstudien zu Albanien und Montenegro einbezogen.