
How Russian Literature Became Great
Wie die russische Literatur groß wurde" untersucht die kulturelle und politische Rolle einer modernen Nationalliteratur, die in einer slawischen Tonart instrumentiert ist, aber weit über Russlands Grenzen hinaus ausstrahlt.
Rolf Hellebust untersucht eine Reihe von literarischen Strömungen, Philosophien und Theorien von der Antike bis zur Gegenwart: Von der römischen Jurisprudenz bis zur deutschen Romantik, von der französischen Aufklärung bis zum tschechischen Strukturalismus, von Herder bis Hobsbawm, von Samuel Johnson bis Sainte-Beuve und so weiter. Neben den üblichen russischen Verdächtigen von Puschkin bis Tschechow berücksichtigt Hellebust auch europäische Schriftsteller: Byron und Shelley, Goethe und Schiller, Chateaubriand und Baudelaire, Dante, Mickiewicz und viele mehr.
Wie anderswo auch, wirbt das Schreiben in Russland mit einem Kanon literarischer Denkmäler, die eine zeitlose "ideale Ordnung unter sich" (T. S. Eliot) bilden. Und doch handelt es sich um eine Tradition, die nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im goldenen Zeitalter der Geschichtsschreibung und Nationenbildung des 19. Jahrhunderts entstehen konnte. Das russische Beispiel offenbart die Widersprüche zwischen Unveränderlichkeit und Innovation, Universalität und Spezifität, die den modernen Vorstellungen von Tradition von Sainte-Beuve über Eliot bis in die Gegenwart zugrunde liegen.
Die Bedingungen ihrer Entstehungszeit - die Prominenz der entscheidenden literaturgeschichtlichen Frage nach der sozialen Funktion des Schriftstellers und die Gleichsetzung von Literatur und nationaler Identität - machen die russische klassische Tradition zum Inbegriff eines einheitlichen kulturellen Textes mit einer komplexen Erzählung, in der sich konkurrierende Geschichten von Fortschritt und Niedergang durch die symbolischen biografischen Begegnungen der Autoren, die ihre Mitglieder sind, entfalten. How Russian Literature Became Great bietet somit ein neues Paradigma für das Verständnis der Paradoxien der modernen Tradition.