
How Isaiah Became an Author: Prophecy, Authority, and Attribution
Die Bibelwissenschaft ist traditionell eine akademische Disziplin, deren Wurzeln tief in der historischen Erforschung der Entstehung von Texten liegen. Es sollte nicht überraschen, dass die Entstehung des Jesajabuches im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit steht, zumal die fesselnde Imagination des Jesaja eine Anthologie prophetischer Stimmen umfasst, die alle ihren eigenen historischen Kontext haben. Gleichzeitig ist bekannt, dass die Kargheit der antiken Texte nur wenig spezifische Informationen preisgibt, die bei dieser Rekonstruktionsaufgabe helfen könnten.
How Isaiah Became an Author" geht diese historische Ironie frontal an. David Davage beginnt mit der Beschreibung von zwei gegensätzlichen Auffassungen von Autorschaft in der Antike: Mesopotamisch und griechisch. Anschließend analysiert er die Prozesse, durch die Jesaja ben Amos als Autor des Jesajabuches vorgestellt wurde. Dabei ändert Davage die Frage von "Wer schrieb das Buch Jesaja?" zu "Wie und auf welche Weise wurde die Beziehung zwischen dem Propheten Jesaja und dem Buch, das seinen Namen trug, in der Zeit des Zweiten Tempels konzipiert?
Davage zeigt, wie eine prophetische Anthologie, die ursprünglich anonym zirkulierte, schließlich zusammen mit einem Namen übermittelt wurde. Obwohl dieser Name ursprünglich keine Vorstellung von der Federführung vermittelte, sondern Jesaja ben Amos als Überlieferer einer göttlichen Offenbarung darstellt, die im Laufe der Zeit von vielen Akteuren weitergegeben wurde, wurde er zu einer Aussage über die Ursprünge des Buches umgedeutet. Diese Umwandlung wird also als Ergebnis von Verhandlungen zwischen dem mesopotamischen und dem griechischen Autorenkonzept in der späten Zeit des Zweiten Tempels erklärt, Verhandlungen, die bis heute andauern.