
Viking Mediologies: A New History of Skaldic Poetics
Viking Mediologies ist eine Studie über vormoderne Multimediadichtung, die in der verkörpernden poetischen Praxis der wikingerzeitlichen Skalden wurzelt. Frühere Studien zur skaldischen Tradition konzentrierten sich auf die Autorenschaft - Unterschiede im poetischen Stil, historische Kontexte und Aufmerksamkeit für die Werke der Skalden, deren Namen in der schriftlichen Überlieferung erhalten sind. Kate Heslop betrachtet diese nicht als Texte, sondern als Stücke in einer vormodernen Medienlandschaft und konzentriert sich auf die mediale Fähigkeit der Poesie, Erinnerung, Visualität und Klang zu verkörpern.
Mobile, hybride, diasporische soziale Formationen - Räuber- und Händlerbanden, Kleinkönigreiche, koloniale Expeditionen - erlangten in der Wikingerzeit neue Bedeutung. Die Skalden boten den Anführern dieser Gruppen etwas einzigartig Wertvolles. Mit ihrer komplizierten Poesie nahmen sie für sich in Anspruch, dass sie in der Lage waren, gemeinsame kontingente Bedeutungen zu erfassen und sie in benannten, einprägsamen, reproduzierbaren Werken zu vermitteln. Die Gedenkdichtung in kvi uh ttr erinnert an die Geschichte von Ruin und Verlust. Die skaldische Ekphrasis offenbart und reproduziert die Gegenwart der Götter. Das Enkomium von Dr ttkv tt beschwört für das Gefolge des Anführers die Klangwelt der Schlacht herauf.
Mit dem Einzug der Schrift in Skandinavien im Zuge der Christianisierung veränderte sich auch die Medienlandschaft. In der Dichtung des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts passten sich die Skalden an die Anforderungen eines gebildeten Publikums an, während die historischen und poetologischen Texte des isländischen Hochmittelalters einen Dialog zwischen lateinisch-christlichen Vermittlungsvorstellungen und lokalen Traditionen eröffneten. In der Zweiten Grammatischen Abhandlung wird beispielsweise die literarische Technologie des Gitters verwendet, um die komplexen Resonanzen von dr ttkv tt als Ergebnis einer Silben spuckenden Drehleier - einer Poesiemaschine - zu analysieren.
Viking Mediologies bietet sowohl neue Lesarten kanonischer Werke wie Ynglingatal, Ragnarsdr pa und H ttatal als auch Untersuchungen weniger bekannter Texte wie Glymdr pa, L knarbraut und Sturla r arsons H konarkvi a und erforscht die Kräfte und Grenzen der poetischen Vermittlung.