
Time and Behaviour, 120: Psychological and Neurobehavioural Analyses
Dass Zeit sowohl eine Dimension des Verhaltens als auch eine allgegenwärtige Kontrollvariable im Leben aller Lebewesen ist, ist seit vielen Jahren bekannt. Im letzten Jahrzehnt hat das Interesse an der quantitativen Analyse des Zeitverhaltens stark zugenommen, und die Fortschritte in den letzten fünf oder sechs Jahren waren mit der Veröffentlichung mehrerer wichtiger neuer theoretischer Beiträge besonders beeindruckend.
Auch in der Verhaltensmethodik gab es in den letzten zehn Jahren erhebliche Fortschritte. Im Bereich der Verstärkungspläne wurden beispielsweise der ehrwürdige Inter-Response-Time-Plan, die Peak-Prozedur mit festem Intervall und die Intervall-Bisection-Aufgabe durch eine "zweite Generation" von prägnanten Instrumenten zur Analyse des Timing-Verhaltens ergänzt. Ein weiterer Bereich der jüngsten Entwicklung ist die Analyse des neurobiologischen Substrats des Zeitverhaltens.
Mehrere Forschungsgruppen untersuchen derzeit die Beteiligung verschiedener zentraler Neurotransmittersysteme am Zeitverhalten sowie die Fähigkeit zentral wirkender Medikamente und diskreter Hirnläsionen, Zeitmessungsprozesse zu verändern. Eine weitere neuere Entwicklung in der Timing-Forschung ist der wachsende Dialog zwischen zwei Bereichen, die getrennt voneinander entstanden sind, obwohl sie, zumindest oberflächlich betrachtet, viel gemeinsam zu haben scheinen: die experimentelle Analyse des "Intervall-Timings", traditionell die Domäne der experimentellen Psychologie, und die Verhaltenschronobiologie.
In den letzten Jahren hat das Interesse an den vergleichenden Eigenschaften der inneren "Uhren" zugenommen, die biobehaviorale Rhythmen mit Zeitbasen im zirkadianen Bereich oder länger regulieren, sowie an denjenigen, die mit der Zeitmessung von Intervallen im Sekunden- oder Minutenbereich verbunden sind. Alle diese und andere Forschungsbereiche sind in den Kapiteln dieses Bandes vertreten.
Dieses Buch wird dazu beitragen, den Austausch zwischen Forschern zu fördern, die aus unterschiedlichen Disziplinen stammen, aber ein gemeinsames Interesse an den zeitlichen Eigenschaften des Verhaltens haben.