
Age of Promises: Electoral Pledges in Twentieth Century Britain
Age of Promises untersucht die Frage der Wahlversprechen im Großbritannien des 20. Jahrhunderts - wie sie gemacht wurden, wie sie verstanden wurden und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben - anhand einer Untersuchung von allgemeinen Wahlmanifesten und Wahlreden.
Die Autoren argumentieren, dass die Geschichte des Versprechens - das für den politischen Prozess von zentraler Bedeutung ist, aber bisher nicht ausreichend analysiert wurde - die Entwicklung der politischen Kommunikation und der demokratischen Repräsentation erhellt. Im zwanzigsten Jahrhundert kam es zu einer weitgehenden Abkehr von der Auffassung, dass Politik ein diskursiver Prozess ist, bei dem es ausreicht, bei Wahlen allgemeine Grundsätze zu formulieren, und dass nach der Übernahme des Amtes im Anschluss an Überlegungen und Diskussionen detaillierte politische Entscheidungen getroffen werden. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts sahen sich die Parteien zunehmend veranlasst, Listen mit konkreten politischen Maßnahmen zu erstellen, die sie den Wählern anbieten konnten und zu deren Umsetzung sie dann verpflichtet waren, komme was wolle.
Ab 1945 wurde der Schwerpunkt sogar noch stärker auf diese Politik gelegt. Detaillierte, kalkulierte Zusagen.
Wir leben in einer Zeit, in der die Unsicherheit über die Autorität und den Status politischer Versprechen wächst. Nach dem EU-Referendum 2016 brach eine Kontroverse über die parlamentarische Souveränität aus.
Sollte der "Wille des Volkes", wie er im Ergebnis des Referendums zum Ausdruck kam, Vorrang haben, oder waren die Abgeordneten in erster Linie ihren Wählern und/oder den Parteiprogrammen verpflichtet, auf deren Grundlage sie gewählt worden waren? Age of Promises zeigt, dass diese Debatten auf einer langen Geschichte unterschiedlicher Auffassungen darüber aufbauen, welchen Stellenwert Manifeste und Reden bei der Gestaltung des Regierungshandelns haben sollten.