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Civil Obedience: Complicity and Complacency in Chile Since Pinochet
Seit dem Sturz der Diktatur von General Augusto Pinochet im Jahr 1990 hat sich die chilenische Gesellschaft vor dem Thema der zivilen Mitschuld gedrückt und es vorgezogen, die Verurteilung der militärischen Täter zu verfolgen.
Doch die Folterungen, Morde, Deportationen und das Verschwindenlassen von Zehntausenden von Menschen in Chile wurden nicht vom Militär allein durchgeführt, sondern bedurften eines umfangreichen zivilen Netzwerks. Einige Bürger beteiligten sich aktiv an den massiven Menschenrechtsverletzungen des Regimes, um sich persönlich zu bereichern oder aus patriotischem Pflichtgefühl heraus.
Andere unterstützten Pinochets neoliberales Wirtschaftsprogramm und verschlossen die Augen vor den Verbrechen dieser Ära. Michael J. Lazzara argumentiert kühn, dass das heutige Chile sowohl ein Produkt der Mitschuld als auch der Selbstgefälligkeit ist.
In einer Kombination aus historischer Analyse und geschickter literarischer, politischer und kultureller Kritik untersucht er die Rationalisierungen, die nach Pinochet von Politikern, Künstlern, Intellektuellen, Schaulustigen, ehemaligen Revolutionären, die zu Neoliberalen wurden, und einfachen Bürgern vorgenommen wurden. Er blickt über Opfer und Täter hinaus, um die zweideutigen, ethisch fragwürdigen Bereiche der Erinnerung und Erfahrung zu enthüllen, die autoritäre Regime unweigerlich hervorbringen.