
In Defense of Charisma
Martin Luther King Jr. hat Charisma - ebenso wie Adolf Hitler.
Ebenso Brad Pitt, Mutter Teresa und so mancher Gymnasiallehrer. Charisma markiert oder maskiert Macht; es legitimiert, zieht aber auch Misstrauen auf sich. Soziologen betrachten Charisma oft als irrationale, instabile Quelle von Autorität, die von der rationalen, bürokratischen Legitimität der Moderne abgelöst wird.
Dennoch hat Charisma in der modernen Welt Bestand; vielleicht wird es in der Postmoderne wiederbelebt, wie die Berühmtheit von Berühmtheiten, Politikern und New-Age-Gurus beweist.
Ist Charisma ein Instrument der Unterdrückung, oder kann es den Kampf gegen Unterdrückung unterstützen? Kann uns eine erneute Untersuchung des Charisma-Konzepts etwas Nützliches über zeitgenössische Bewegungen für soziale Gerechtigkeit lehren? In Defense of Charisma wird eine Darstellung des moralischen Charismas entwickelt, die Erkenntnisse aus Politik, Ethik und Religion mit Überlegungen zur zeitgenössischen Kultur verwebt.
Vincent W. Lloyd unterscheidet zwischen autoritärem Charisma, das die Interessen der Mächtigen fördert und Rassismus, Patriarchat und Elitedenken naturalisiert, und demokratischem Charisma, das den Beobachter dazu anregt, neue Fragen zu stellen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Im besten Fall kann Charisma die Art und Weise, wie wir uns selbst und unsere Welt sehen, in Frage stellen und uns dazu bringen, für Gerechtigkeit zu kämpfen.
In "In Defense of Charisma" werden der biblische Moses und Charlton Hestons Auftritt in "Die Zehn Gebote", das Bild von Martin Luther King Jr. zusammen mit Tweets der Black-Lives-Matter-Bewegung und die Romane von Harper Lee und Sherman Alexie den Schriften von Emmanuel Levinas gegenübergestellt. Das Buch fordert die Leser auf, sich vom blendenden Charisma berühmter Persönlichkeiten abzuwenden und sich dem bescheideneren moralischen Charisma des Nachbarn, Kollegen oder Verwandten zuzuwenden.