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Two-World Literature: Kazuo Ishiguro's Early Novels
In dieser Studie versucht Rebecca Suter, unser Verständnis von Weltliteratur zu verkomplizieren, indem sie den kreativen und kritischen Einsatz von kulturellen Stereotypen in den frühen Romanen von Kazuo Ishiguro untersucht. Die "Weltliteratur" ist in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten: Aamir Mufti nannte sie das Ergebnis des "Eine-Welt-Denkens", das Erbe eines imperialen Systems der kulturellen Kartierung aus einer einheitlichen Perspektive.
Suter sieht in Ishiguros Fiktion eine wichtige Alternative zu diesem Paradigma. Der in Japan geborene, im Vereinigten Königreich aufgewachsene und in eine Vielzahl von Sprachen übersetzte Ishiguro hat während seiner gesamten Laufbahn seine mehrfache kulturelle Verortung bewusst genutzt, um Texte zu verfassen, die weitreichende menschliche Belange auf eine deutlich andere Weise betrachten. Anhand einer eingehenden Lektüre seiner frühen Erzählstrategien erklärt Suter, wie es Ishiguro gelungen ist, eine "Zwei-Welten-Literatur" zu schaffen, die sich mit universellen menschlichen Anliegen befasst und die Fallstricke der einzigen, westlich-zentrierten Perspektive der "Eine-Welt-Vision" vermeidet.
Indem er seine ersten beiden Romane, A Pale View of Hills (1982) und An Artist of the Floating World (1986), in einem Japan ansiedelte, das ausdrücklich als Metapher verwendet wurde, konnte Ishiguro westliche Stereotypen über Japan parodieren und untergraben und damit die Universalität westlicher Werte in Frage stellen. Diese Subversion wurde in seinem dritten Roman, The Remains of the Day (1989), noch verstärkt, der sowohl im englischen als auch im japanischen Kulturparadigma perfekt lesbar ist.
Aufbauend auf dieser Subversion von Stereotypen untersucht Ishiguros Frühwerk die komplexe Beziehung zwischen sozialer Konditionierung und Handlungsfähigkeit und zeigt, wie das Verhalten der Figuren mit ihrem kulturellen Erbe zusammenhängt, aber nicht darauf reduziert werden kann. Dieser Ansatz bildet den Kern der fesselnden Darstellung menschlicher Erfahrungen in jüngeren Werken wie Never Let Me Go (2005) und The Buried Giant (2015), die Ishiguro ein weltweites Publikum und den Nobelpreis einbrachten.
Ohne die einfachen Erklärungen des Eine-Welt-Denkens sind die Leser von Ishiguros Zwei-Welten-Literatur gezwungen, die Komplexität der Wechselbeziehung zwischen individueller und kollektiver Identität, persönlicher und historischer Erinnerung sowie Einfluss und Einflussnahme zu schätzen, um eine nuanciertere "Zwei-Welten-Würdigung" der menschlichen Erfahrung zu erhalten.