Bewertung:

Das Buch bietet eine detaillierte Sozialbiografie des jüdischen Lebens in Deutschland von der Weimarer Republik bis zum Aufstieg des Naziregimes, wobei der Schwerpunkt auf den persönlichen Geschichten und den täglichen Kämpfen liegt, mit denen jüdische Menschen in dieser turbulenten Zeit konfrontiert waren. Der Schwerpunkt liegt auf den psychologischen und gesellschaftlichen Faktoren, die zum Holocaust beitrugen, und bietet Einblicke in die Erfahrungen sowohl jüdischer Einzelpersonen als auch der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen.
Vorteile:Das Buch ist gut recherchiert und bietet eine einzigartige Perspektive auf die Notlage der Juden, wobei die Erfahrungen der Frauen besonders hervorgehoben werden. Die detaillierten Schilderungen und persönlichen Geschichten verleihen dem Buch emotionale Tiefe und ein besseres Verständnis für die allmähliche Eskalation des Antisemitismus. Die Rezensenten fanden das Buch aufschlussreich, eindringlich und notwendig, um den historischen Kontext des Holocausts zu verstehen. Viele hoben auch den pädagogischen Wert und die Bedeutung des Buches für Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche Themen hervor.
Nachteile:Einige Leser hielten das Buch für eine schwierige Lektüre und verwiesen auf sein emotionales Gewicht und die komplexe Materie. Kritisiert wurden die kleine Schriftgröße und der Wunsch nach einer breiteren Vertretung von Stimmen, insbesondere aus der orthodoxen jüdischen Gemeinschaft. Einige erwähnten, dass die Erzählung zu stark auf den Feminismus ausgerichtet sei oder sich wiederholende Elemente enthalte, so dass sie von abwechslungsreicheren Beispielen in einigen Abschnitten profitieren könnte.
(basierend auf 39 Leserbewertungen)
Between Dignity and Despair: Jewish Life in Nazi Germany
Zwischen Würde und Verzweiflung stützt sich auf die außergewöhnlichen Memoiren, Tagebücher, Interviews und Briefe jüdischer Frauen und Männer, um uns das erste intime Porträt des jüdischen Lebens in Nazi-Deutschland zu geben.
Kaplan erzählt die Geschichte der Juden in Deutschland nicht aus der Rückschau auf den Holocaust und auch nicht mit Blick auf die Verfolger, sondern aus der verwirrten und zwiespältigen Perspektive der Juden, die versuchten, ihr tägliches Leben in einer Welt zu meistern, die immer verrückter wurde. Kaplan entgegnet dem Vorwurf, die Juden hätten früher gehen sollen, und zeigt, dass der Holocaust keineswegs unvermeidlich, sondern gerade deshalb nicht vorhersehbar war, weil die Unterdrückung durch die Nazis bis zu den massiven Gewalttaten im November 1938 in unregelmäßigen und unvorhersehbaren Schritten erfolgte. Dann verwandelte sich der Strom der Auswanderung in einen reißenden Strom, der erst durch den Krieg gestoppt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren die Juden bereits aus ihren Häusern vertrieben, ihres Besitzes und ihrer Lebensgrundlage beraubt, von ihren früheren Freunden gemieden, von ihren Nachbarn verfolgt und zur Zwangsarbeit gezwungen worden. Für diejenigen, die in Deutschland gefangen waren, wurde das bloße Überleben zu einem Alptraum mit immer verzweifelteren Möglichkeiten. Viele nahmen sich das Leben, um im Tod wenigstens etwas Würde zu bewahren; andere gingen.
Sie lebten im Untergrund und ertrugen die Angst vor nächtlichen Bombenangriffen und den noch größeren Schrecken, von den Nazis entdeckt zu werden. Die meisten wurden ermordet. Alle wurden bis an die Grenze der menschlichen Belastbarkeit und der menschlichen Einsamkeit getrieben.
Mit dem Schwerpunkt auf dem Schicksal der Familien und insbesondere auf den Erfahrungen der Frauen nimmt uns Zwischen Würde und Verzweiflung mit in die Nachbarschaften, in die Küchen, Geschäfte und Schulen, um uns die Form und Struktur, das Gefühl dafür zu vermitteln, wie es war, ein Jude in Nazideutschland zu sein.