
Affective Disorders: Emotion in Colonial and Postcolonial Literature
An der Schnittstelle von Postcolonial Studies, Affektforschung und Narratologie untersucht Affective Disorders die Bedeutung von Emotionen in einer Reihe von kolonialen und postkolonialen Erzählungen.
Anhand der Lektüre von Naguib Mahfouz, Joaquim Maria Machado de Assis und Upamanyu Chatterjee, um nur einige zu nennen, argumentiert Bede Scott, dass literarische Darstellungen von Emotionen nicht nur auf der Ebene der Charaktere, der individuellen Psychologie oder der Kontingenz der Handlung interpretiert werden müssen, sondern auch mit breiteren soziopolitischen Kräften in Verbindung gebracht werden können. So finden wir Episoden von Wut, die als kollektive Reaktion auf die "Modernität" des kriegsgeplagten Kairo dienen, Eifersuchtsgefühle, die von der Sklavenwirtschaft des kaiserlichen Brasiliens inspiriert sind, und ein überwältigendes Gefühl der Langeweile, das in den späten achtziger Jahren aus den bürokratischen Verfahren des indischen Verwaltungsdienstes erwächst.
Affective Disorders erforscht auch die formalen Konsequenzen dieser Gefühle - die Art und Weise, wie affektive Zustände wie Wut oder Eifersucht oft Erzählungen destabilisieren und Krisen der Repräsentation, generische Ambivalenzen und diskursive Brüche hervorrufen können. Durch die Betonung des sozialen Ursprungs dieser Gefühle und die Analyse ihres Einflusses auf den literarischen Diskurs ermöglicht diese Studie ein tieferes Verständnis der Beziehung zwischen verschiedenen soziopolitischen Kräften und den affektiven und ästhetischen "Störungen", die sie hervorrufen.