
African Customary Justice: Living Law, Legal Pluralism, and Public Ethics
Dieses Buch stellt einen wichtigen ethnographischen und theoretischen Fortschritt in der rechtsanthropologischen Forschung dar, indem es das Gewohnheitsrecht, die Gewohnheitsgerichte und den Rechtspluralismus in Afrika südlich der Sahara untersucht. Es unterstreicht die Vitalität und anhaltende Relevanz des Gewohnheitsrechts in einer Zeit, in der Gewohnheitsgerichte in vielen postkolonialen afrikanischen Staaten an Bedeutung verloren haben oder sogar verschwunden sind.
Anhand des Fallbeispiels Botswana, wo über einen Zeitraum von fünfzig Jahren eingehende Feldforschung betrieben wurde, zeigt das Buch, dass das "Gewohnheitsrecht" nach wie vor Bestand hat, für die Beilegung zwischenmenschlicher Streitigkeiten von zentraler Bedeutung ist und sowohl für die lokale als auch für die nationale öffentliche Ethik konstitutiv ist. Das Gewohnheitsrecht ist nach wie vor verfassungsrechtlich geschützt und wird von der Vergangenheit des Landes als authentisches, lebensfähiges Erbe anerkannt - von der britischen Kolonialzeit mit ihrer indirekten Herrschaft bis zur heutigen Entwicklung des postkolonialen Staates zu einer hochgradig bürokratisierten Demokratie. Neben einem theoretischen Überblick über die zugrundeliegenden Fragen für die Anthropologie und Soziologie des Rechts dokumentiert das Buch das Gewohnheitsrecht als lebendiges Recht im Kontext des Rechtspluralismus. Es verfolgt einen rechtsrealistischen Ansatz und unterstreicht die Notwendigkeit, der gelebten Erfahrung von Gerechtigkeit und ihrer Rolle bei der Herstellung von Rechtssubjektivitäten besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Das Buch ist nicht nur für Afrikanisten, sondern auch für Sozialwissenschaftler, Sozialhistoriker und Rechtssoziologen von Interesse, die sich mit Recht und sozialem Wandel, öffentlicher Ethik und persönlicher Moral sowie dem Zusammenspiel von Politik und Rechtsprechung befassen.