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Aristotle and the Virtues
Aristoteles ist der Vater der Tugendethik - eine Disziplin, die in der Wissenschaft wieder mehr Aufmerksamkeit erfährt. Dennoch bleiben Aristoteles' Ausführungen zu den einzelnen Tugenden undurchsichtig, denn die meisten zeitgenössischen Kommentatoren von Aristoteles' Nikomachischer Ethik haben sich auf andere Themen konzentriert. Im Gegensatz dazu sieht Howard J. Curzer Aristoteles' detaillierte Beschreibung der einzelnen Tugenden als zentral für seine ethische Theorie an. Indem er die Nikomachische Ethik Tugend für Tugend durcharbeitet, Aristoteles' Behauptungen erklärt und allgemein verteidigt, erweckt dieses Buch jede von Aristoteles' Tugenden zum Leben. Ein neuer Aristoteles kommt zum Vorschein, ein Aristoteles, der von den Details der einzelnen Tugenden fasziniert ist.
Gerechtigkeit und Freundschaft nehmen in Aristoteles' Tugendtheorie einen besonderen Platz ein. In vielen zeitgenössischen Diskussionen werden Gerechtigkeit und Freundschaft an entgegengesetzten, vielleicht sogar gegensätzlichen Polen eines Spektrums angesiedelt. Gerechtigkeit scheint eine sehr öffentliche, unparteiische und leidenschaftslose Sache zu sein, während Freundschaft paradigmatisch privat, partiell und leidenschaftlich ist. Doch Curzer argumentiert, dass sie nach Aristoteles' Auffassung eigentlich eine Symbiose darstellen. Gerechtigkeit wird durch Freundschaft definiert, und gute Freundschaft wird durch Gerechtigkeit definiert.
Curzer zeigt weiter auf, dass es in der Tugendethik nicht nur darum geht, gut zu sein, sondern auch darum, gut zu werden. Aristoteles und die Tugenden rekonstruiert Aristoteles' Darstellung der moralischen Entwicklung. Bestimmte Charaktertypen dienen als Stufen der moralischen Entwicklung. Bestimmte Katalysatoren und Mechanismen führen von einer Stufe zur nächsten. Die Erklärung, warum manche Menschen keine moralischen Fortschritte machen können, präzisiert die Voraussetzungen für die moralische Entwicklung. Schließlich beschreibt Curzer Aristoteles' Bemühen, das Endziel der moralischen Entwicklung, das Glück, zu bestimmen.