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The Rise and Fall of Natural Law: Volume 1A of the Philosophy of Law: The History of Legal Philosophy
Unsere Zeit ist durch einen radikalen Subjektivismus gekennzeichnet. Das heißt: Es gibt keine Einigung über einen absoluten Wertmaßstab. In der Tat gibt es nicht einmal eine Einigung über die Wahrheit selbst. Und tatsächlich ist das Konzept der objektiven, absoluten Wahrheit zugunsten von "Wahrheiten" - deiner Wahrheit, meiner Wahrheit, der Wahrheit von wem auch immer - verworfen worden. Das Ergebnis ist, dass das Streben nach Wahrheit überhaupt aufgegeben wurde, zugunsten von Überzeugungen, emotionalen Appellen zugunsten dieser Überzeugungen und dem Streben nach politischer Macht, um diese Überzeugungen in die Praxis umzusetzen.
Wer wie Friedrich Julius Stahl das Denken der Menschen verfolgt, der weiß, dass Ideen Konsequenzen haben und das Denken schließlich in die Praxis mündet, den wird dieser Umstand nicht überraschen. Das gilt insbesondere für die Rechtsphilosophie. Hier stoßen Theorie und Praxis aufeinander, hier trifft der Gummi auf die Straße. Und die Geschichte der Rechtsphilosophie ist die Geschichte von Ideen, die Konsequenzen haben.
Diese Geschichte kann uns viel darüber verraten, wie wir zum heutigen Stand der Dinge gekommen sind. Wenn wir sie betrachten, stellen wir fest, dass der Hauptakteur in dieser Geschichte das Naturrecht ist. Einst die tragende Säule des ethischen und rechtlichen Diskurses, ist es heute ein vergessenes Relikt. Doch das Naturrecht ebnete den Weg für den Triumph des Subjektivismus in der modernen Welt. Eine seltsame Sache, wenn man bedenkt, dass das Naturrecht einen objektiven Maßstab für die Beurteilung des von Menschen geschaffenen Rechts verkörpern sollte. Am Ende hat es diesen Maßstab beseitigt. Wie es dazu kam, ist das Thema von The Rise and Fall of Natural Law.
Das Naturrecht wurde von den Griechen und Römern entwickelt, von der christlichen Kirche übernommen und zum Bollwerk der christlichen Ethik und Rechtswissenschaft gemacht. Doch im Laufe der Zeit löste es sich von der Kirche und spielte dann eine zentrale Rolle bei der Säkularisierung der westlichen Zivilisation.
Stahl verfolgt diesen Werdegang von den Anfängen in der Antike über die Aufnahme in die Scholastik des Mittelalters und die säkularisierten Versionen in der Aufklärung bis hin zur Philosophie von Rousseau und der harten Realität der Französischen Revolution. Die subjektivistische Wende wird besonders im Werk von Johann Gottlieb Fichte hervorgehoben, dessen Schwerpunkt auf der enthusiastischen Überzeugung und dem Primat des Subjekts liegt, was ihn zum Propheten der modernen Welt macht. Obwohl Fichte an der Wende zum 19. Jahrhundert schrieb, ist es unsere Zeit, in der sich seine Orientierung durchgesetzt hat. Seine Geschichte und die Geschichten derer, die ihm vorausgingen - die Hauptfiguren in "Aufstieg und Fall des Naturrechts" - sind für das Verständnis der Entstehung der modernen Welt entscheidend.