Bewertung:

Das Buch „Autos für Genossen“ von Lewis Siegelbaum bietet eine detaillierte Untersuchung der sowjetischen Automobilindustrie, wobei der Schwerpunkt auf ihrer Geschichte, Produktion und ihrem Einfluss auf die sowjetische Gesellschaft liegt. Es wird für seine gründliche Recherche und die einzigartige Perspektive auf den Autobesitz im Kontext des sowjetischen Lebens gelobt, aber Kritiker heben das Fehlen von Bildern und Illustrationen der Autos selbst hervor.
Vorteile:⬤ Umfassender und detaillierter historischer Überblick über die sowjetische Autoindustrie.
⬤ Einzigartige Einblicke in die Überschneidung von Autobesitz und sowjetischer Gesellschaft.
⬤ Gut recherchiert, was es zu einer wertvollen Quelle für alle macht, die sich für Automobilgeschichte und sowjetische Studien interessieren.
⬤ Geschrieben von einem sachkundigen Autor, der dem Thema Tiefe verleiht.
⬤ Fehlende visuelle Elemente, wie z. B. Bilder russischer Autos, was einige Leser enttäuschte.
⬤ Einige Kritikpunkte in Bezug auf die Anwendung amerikanischer Stereotypen bei soziologischen Interpretationen.
⬤ Monochrome und körnige Illustrationen, die für visuelle Enthusiasten unzureichend sind.
(basierend auf 11 Leserbewertungen)
Cars for Comrades
Das Automobil und der Sowjetkommunismus waren ein seltsames Paar. Das Symbol amerikanischer Wirtschaftskraft und Konsumfreude wurde nie zu einer Ikone des kommunistischen Fortschritts, was zum Teil daran lag, dass es einige Grundannahmen der sowjetischen Ideologie und Praxis auf unangenehme Weise in Frage stellte. In diesem reichhaltigen und oft witzigen Buch erzählt Lewis H. Siegelbaum das Leben des sowjetischen Automobils und eröffnet uns dabei eine neue Perspektive auf die Geschichte und das Schicksal der UdSSR selbst.
Auf der Grundlage von Quellen, die von offiziellen Staatsarchiven bis hin zu Cartoons, Zeitschriften für Autoenthusiasten und populären Filmen reichen, führt uns Cars for Comrades vom Bau der riesigen sowjetischen Detroits, den Emblemen der utopischen Phase der sowjetischen Planung, bis zum heutigen Togliatti, wo das Schicksal des letzten russischen Automobilwerks in der Schwebe hängt. Die große Rolle, die amerikanische Geschäftsleute und Ingenieure in der wechselvollen Geschichte des sowjetischen Automobilbaus gespielt haben, ist eine der Überraschungen des Buches, und der Autor weist auf die ironischen Parallelen zwischen der sowjetischen Geschichte und dem Niedergang des amerikanischen Detroit hin. In der Zwischenkriegszeit waren Automobilclubs, Autozeitschriften und die Beliebtheit von Rallye-Rennen Zeichen einer aufkeimenden sowjetischen Autokultur, deren Wachstum durch die Politik des stalinistischen Staates und die unüberwindbare Straßenlosigkeit Russlands gebremst wurde. In den Nachkriegsjahren tauchten Autos immer häufiger in Liedern, Filmen, Romanen und in der Propaganda auf, die versprach, es besser zu machen als das autoverrückte Amerika.
Letztlich, so zeigt Siegelbaum, verkörperte und verschärfte das Auto die Widersprüche zwischen dem, was der Sowjetkommunismus förderte und dem, was er bot. Ein Auto zu brauchen, war ein Zeichen der Unterstützung für industrielle Ziele; ein Auto um seiner selbst willen zu wollen, war etwas ganz anderes. Da sowjetische Autos sowohl schwer zu beschaffen als auch chronisch unzuverlässig und solche Dinge wie Benzin und Ersatzteile so knapp waren, verstrickten der Besitz und die Instandhaltung von Autos die Bürger in Netzwerke privater, halblegaler und ideologisch heterodoxer Praktiken, denen der Staat nicht gewachsen war. Diese meisterhafte und unterhaltsame Biografie des sowjetischen Automobils ist gründlich recherchiert und fesselnd erzählt. Sie bietet eine neue Perspektive auf eine der ikonischsten - und wichtigsten - Technologien des zwanzigsten Jahrhunderts und einen neuen Ansatz zum Verständnis der Geschichte der Sowjetunion selbst.