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Translating China as Cross-Identity Performance
James St. Andr wendet die Perspektive der identitätsübergreifenden Performance auf die Übersetzung einer Vielzahl chinesischer Texte ins Englische und Französische aus dem 18. bis 20. Der Autor stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Kulturwissenschaften, den Queer Studies und der Anthropologie und argumentiert, dass viele identitätsübergreifende Aufführungstechniken, darunter Blackface, Passing, Drag, Mimikry und Maskerade, Einblicke in die Geschichte der Übersetzungspraxis bieten. Er plädiert nachdrücklich dafür, die Übersetzung in ihr historisches, soziales und kulturelles Umfeld einzuordnen und übersetzte Texte neben einer Vielzahl anderer Materialien zu lesen, die dazu beigetragen haben, das Bild des "John Chinaman" zu prägen.
Eine Lektüre des Lebens und der Werke von George Psalmanazar, dessen identitätsübergreifende Performance als Eingeborener von Formosa die Salons des frühen 18. Jahrhunderts belebte, eröffnet den Band und bildet eine Brücke zwischen dem theoretischen Rahmen des Buches und der Untersuchung chinesisch-europäischer Interaktionen. Der Kern des Buches besteht aus einer chronologischen Reihe von Fallbeispielen, von denen jedes die Verwendung einer anderen Art von identitätsübergreifender Performance illustriert, um die Übersetzungspraxis besser zu verstehen. St. Andr untersucht frühe Pseudoübersetzungen, darunter Maranas Türkischer Spion (1691) und Goldsmiths Weltbürger (1762), sowie Adaptionen von Hatchetts The Chinese Orphan (1741) und Voltaires Orphelin de la Chine (1756). Spätere Kapitel befassen sich mit Davis' Übersetzung von Sorrows of Han (1829) und echten Übersetzungen von Sachbüchern, die hauptsächlich von Mitarbeitern der East India Company stammen. Der Schwerpunkt verlagert sich dann auf mündliche/akustische Aspekte der frühen Übersetzungspraxis im 19. Jahrhundert, wobei das Konzept der Mimikry verwendet wird, um die Wechselwirkungen zwischen Pidgin-Englisch und Übersetzung in der populären Presse zu untersuchen. Schließlich wird die Arbeit von zwei frühen modernen chinesischen Übersetzern, Gu Hongming und Lin Yutang, als Maskerade untersucht.
St. Andr bietet eine originelle und innovative Studie von Schriftgattungen, die traditionell isoliert untersucht werden, und liefert eine faszinierende Untersuchung der Art und Weise, wie drei Kulturen durch die wechselnden Begegnungen von Fiktion, Übersetzung und Sachbuch interagierten und dabei dazu beitrugen, die Art und Weise, wie Chinesen dargestellt wurden, zu etablieren und zu gestalten. Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Übersetzungswissenschaft, zur chinesischen Kulturwissenschaft, zur postkolonialen Forschung und zur Geschlechterkritik.