
Daniel Evokes Isaiah: Allusive Characterization of Foreign Rule in the Hebrew-Aramaic Book of Daniel
Lester argumentiert hier, dass das Buch Daniel eine komplexe, aber poetisch einheitliche Erzählung enthält. Dies lässt sich an bestimmten erzählerischen Qualitäten erkennen, darunter die durchgängige Anspielung auf Jesaja, die in einzigartiger Weise zum erzählerischen Bogen beiträgt.
Die Erzählung beginnt mit dem Beginn der Fremdherrschaft über Israel und endet mit dem Ende dieser Herrschaft. In jeder Phase der Abfassung des Buches wird diese Fremdherrschaft immer mehr an Jesajas Darstellung von Assyrien angelehnt. Dieser Feind wird zunächst von Gott zur Bestrafung Israels herangezogen, maßt sich dann aber selbst die Strafgewalt an, bis er schließlich seinerseits bestraft und zerstört wird.
Jede Apokalypse im Buch Daniel führt auf ihre Weise diese anspielungsreiche Charakterisierung fort. Lester argumentiert also, dass eine anspielende Poetik als absichtliche rhetorische Trope in einem Werk untersucht werden kann, für das das Konzept des "Autors+? komplex ist; dass eine Erzählungskritik ein kritisches Verständnis der Kompositionsgeschichte einschließen kann.
Der "Daniel+?, der sich aus dieser Untersuchung ergibt, stellt den jüdischen Leser Daniels aus dem 2. Jahrhundert nicht als jemanden dar, der die Strafe für den Bruch des Bundes mit Gott erleidet, sondern als jemanden, der in Treue zum Bund die letzten Tage der Gewaltexzesse des "assyrischen+? Diese Erzählung problematisiert alle vereinfachten narrativen Vorstellungen vom biblischen Israel als unaufhörlich rebellisch und verleiht Gesprächen über Leiden und Theodizee in der hebräischen Bibel und über antijudaistische Gewohnheiten in der christlichen Lektüre der hebräischen Bibel eine einzigartige Note.