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Medieval Jewry in Northern France: A Political and Social History
Ursprünglich 1974 veröffentlicht. Anhand einer Reihe von jüdischen Gemeinden schildert Robert Chazan, wie sich die französischen Juden im elften Jahrhundert als lokale Händler und Geldverleiher an die ihnen auferlegten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Grenzen angepasst haben.
Die französische Gesellschaft, die danach strebte, mächtiger und zivilisierter zu werden, war bereit, den Juden im Gegenzug für die allgemeine Belebung des Handels und des städtischen Lebens sowie für den unmittelbaren Gewinn aus der Besteuerung Hilfe und Schutz zu gewähren. Zwar gelang es den Behörden relativ gut, die Juden vor anderen zu schützen, aber es gab keine Macht, die sich zwischen die Juden und ihre Beschützer drängen konnte. Das politische und soziale Wohlergehen der Juden hing daher vom Willen der Obrigkeit ab, die ihre Besitztümer besteuerte und ihre Aktivitäten regelte.
Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert wurde die Stellung der Juden ständig von Reformern in der Kirche angegriffen, die sich mit jüdischem Geldverleih und gotteslästerlichen Inhalten in jüdischen Büchern befassten; diese Reformer widmeten sich schließlich ernsthaften Missionierungsbemühungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Die Situation der Juden wurde zusätzlich durch eine tiefe Feindseligkeit im Volk erschwert, die sich in einer Reihe von Verleumdungen und gelegentlich auch in physischer Gewalt äußerte.
Trotz der beeindruckenden Errungenschaften der Juden im mittelalterlichen Nordfrankreich wurde ihre Gemeinschaft im dreizehnten Jahrhundert zunehmend eingeengt, und 1306 wurden sie von Philipp IV. aus dem königlichen Frankreich vertrieben. Trotz des Mangels an umfangreichem Quellenmaterial analysiert Chazan den politischen Status der Juden, ihre Beziehungen zu wichtigen Elementen der christlichen Gesellschaft, ihre demografische Entwicklung, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten, ihre interne Organisation und ihre Haltung gegenüber der christlichen Umwelt.
Das mittelalterliche Judentum in Nordfrankreich ist sowohl für den Historiker des mittelalterlichen Frankreichs als auch für den Studenten der jüdischen Geschichte von besonderem Interesse, da es Aspekte der französischen Gesellschaft aus einer ungewöhnlichen Perspektive beleuchtet. Diese Geschichte ist auch für alle von Bedeutung, die von der Fähigkeit menschlicher Gruppen fasziniert sind, auf eine feindselige und einschränkende Umgebung zu reagieren und sich kreativ anzupassen.