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Nowhere in the Middle Ages
Literatur- und Kulturhistoriker führen in der Regel Thomas Mores Utopia aus dem Jahr 1516 als Quelle sowohl für ein Genre als auch für ein Konzept an. Karma Lochrie weist diesen Ursprungsmythos des Utopismus ebenso zurück wie die Annahme, dass die Menschen des Mittelalters zu einem solchen Denken nicht fähig waren.
In Nowhere in the Middle Ages (Nirgendwo im Mittelalter) definiert Lochrie die Bedingungen der Diskussion neu, indem sie aufzeigt, dass das utopische Denken tatsächlich irgendwo im Mittelalter zu finden war. Dabei verändert sie die konventionellen Lesarten von More's Utopia und stellt die heutige Praxis der Literaturgeschichte in Frage. Auf der Grundlage einer Reihe zeitgenössischer Forschungen zum Utopismus und eines umfangreichen vormodernen Archivs zeichnet Lochrie verschiedene utopische Strömungen in der mittelalterlichen Literatur und Philosophie nach, die sich von Mores Werk unterscheiden und gleichzeitig unheimliche Verbindungen zu ihm aufweisen.
Bei der Untersuchung von Werken wie Macrobius' Kommentar zum Traum des Scipio aus dem fünften Jahrhundert, Mandevilles Reisen und William Langlands Piers Plowman findet sie Belege für eine Reihe von utopischen Bestrebungen, darunter die Ablehnung der europäischen Zentralität, den Wunsch nach einer egalitäreren Politik und ein Überdenken der Trennung zwischen Tieren und Menschen. Nowhere in the Middle Ages betont die Relevanz und das transformative Potenzial mittelalterlicher Utopien für das Werk von More und positioniert den Text aus dem 16.
Jahrhundert als eine Alternative in einem breiteren historischen Phänomen utopischen Denkens. Jahrhundert als eine Alternative zu einem breiteren historischen Phänomen des utopischen Denkens.
Indem er die mittelalterlichen Utopien in der Literaturgeschichte zurückverfolgt, um ihren Einfluss auf die frühneuzeitliche und moderne Literatur und Philosophie aufzudecken, zeigt Lochrie, dass wir den Horizont des utopischen Denkens erweitern können, wenn wir zurückblicken.