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Paradise: Selected Poems
Jede neue Generation muss St. Petersburg, den Ort, die Kultur und seine Bedeutung für Russland neu interpretieren.
Schvarts' geisterhafte und dämonische Stadt ist der von Dostojewski näher als der von Achmatowa oder Brodski. Ihre Poesie bringt die hinterwäldlerische russische Folklore mit ihrer Grausamkeit, ihrer Religiosität und ihrem skurrilen Humor in das steinerne, kosmopolitische Petropolis. Sie bringt sowohl die Wahrheit als auch die Ironie des "Paradieses" von Peter dem Großen zum Vorschein, indem sie ihre Heimatstadt als Kreuzung der Dimensionen feiert und schmäht, eine Realität, die mit mythischen Monumenten und religiösen Symbolen durchsetzt ist.
Trotz des Blutes unter den Pflastern zeigt ihr St.
Petersburg auch Spuren eines engelhaften Ursprungs: "Schwarze Ratten nisten über dem glänzenden Fluss, im Unterholz, / Sie sind erlaubt, willkommen, nichts kann das Paradies auf Erden zerstören.". Elena Shvarts stand außerhalb aller Schulen und Bewegungen der zeitgenössischen russischen Poesie.
Sie beschrieb die Poesie einmal als einen "Tanz ohne Beine". Ihre eigene Poesie passt perfekt zu dieser Beschreibung, eine Kombination aus tiefem rhythmischen und lyrischen Tanz mit der exzentrischen, immerwährenden Bewegung des Fliegens. Die Welt ihrer Gedichte ist fremd und grotesk; oft sind die Schauplätze städtisch, aber nicht wiederzuerkennen - Städte, die vom Alltag entleert und nur von Tieren, Geistern und seltsamen Urgewalten bevölkert sind.
Eine eigentümliche religiöse Inbrunst erhellt diese Szenen, aber ihre Religion ist unorthodox und höchst individuell. Die Poesie von Shvarts ist visionär. Ihre Vision führt sie an den Rand von Sprache und Rhythmus, und sie war eine der wenigen zeitgenössischen Dichterinnen, die mutig genug waren, ihrer Vision absolut zu vertrauen.