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The Last Man in Russia: The Struggle to Save a Dying Nation
Russland stirbt von innen heraus. Oligarchen und Ölbarone dominieren zwar immer noch die internationale Berichterstattung, doch ihr Wohlstand verdeckt eine tief verwurzelte demografische Tragödie. Angesichts des schwindelerregenden Bevölkerungsrückgangs - und des nahezu sicheren wirtschaftlichen Zusammenbruchs -, der durch ein toxisches Maß an Alkoholmissbrauch verursacht wird, kämpft Russland auch mit einer tieferen Krankheit: einer geistigen, die aus dem langen totalitären Experiment des Landes entstanden ist.
Der preisgekrönte Journalist Oliver Bullough erzählt in Der letzte Mann in Russland die Geschichte eines einsamen Priesters, um dieser nationalen Krise Leben einzuhauchen. Pater Dmitry Dudko, ein orthodoxer Dissident, wurde in ein stalinistisches Arbeitslager geworfen, weil er Gedichte geschrieben hatte. Nach seiner Entlassung Mitte der 1950er Jahre begann er unverdrossen in Gemeinden in ganz Russland zu predigen, ohne sich um seine eigene Sicherheit zu sorgen. In einer Zeit, in der die sowjetische Regierung ihren Untertanen die Aussicht auf ein Weiterkommen verwehrte und Freund gegen Freund und Bruder gegen Bruder ausspielte, forderte Dudko seine Anhänger auf, sich an die Hoffnung zu klammern. Er hielt einen Kreis des heiligen Vertrauens im Herzen eines der betrügerischsten Systeme der Geschichte aufrecht. Doch wie Bullough enthüllt, wurde diese mutige Gruppe von Gläubigen schließlich durch einen schrecklichen Akt des Verrats zerrüttet - ein Akt, der das ganze Ausmaß der kommunistischen Tragödie offenbart. Doch Dudkos Traum lebt weiter. Obwohl die meisten Russen den Mann selbst vergessen haben, beginnt die Glut der Hoffnung, die die Finsternis überlebt hat, wieder zu brennen.
Er führt den Leser von einem Moskauer Friedhof zu den verschneiten Geisterstädten des ländlichen Russlands, von den vergessenen Gräbern der Opfer Stalins zu einem Rockfestival in einem alten Gulag-Lager. Der letzte Mann in Russland ist gleichzeitig ein Reisebericht, eine soziologische Studie, eine Biografie und ein Aufruf für eine sterbende Nation - eine, die, wie Bullough zeigt, noch gerettet werden könnte.