Bewertung:

Das Buch „Allure“ von Nolan stellt die lange vorherrschende Meinung in Frage, dass Kriege durch entscheidende Schlachten unter der Führung brillanter Generäle gewonnen werden. Stattdessen argumentiert er, dass Kriege in erster Linie Zermürbungskämpfe sind, die von Faktoren wie Logistik, Moral und gesellschaftlichem Durchhaltevermögen beeinflusst werden. Unterstützt wird die Darstellung durch eine Fülle historischer Beispiele, die von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg reichen und den Leser dazu anregen, sein Verständnis von Militärgeschichte zu überdenken.
Vorteile:⬤ Eine gut geschriebene und fesselnde Erzählung, die den Leser in ihren Bann zieht.
⬤ Eine zum Nachdenken anregende Analyse, die konventionelle Sichtweisen der Militärgeschichte in Frage stellt.
⬤ Zahlreiche historische Beispiele untermauern die These.
⬤ Verbessert das Verständnis für die Natur der Kriegsführung und die Faktoren, die zu Sieg oder Niederlage führen.
⬤ Ermutigt zu einer tieferen Betrachtung historischer Ereignisse jenseits des Begriffs der Entscheidungsschlacht.
⬤ Mit 582 Seiten recht umfangreich, und die Kommentare deuten darauf hin, dass das Buch knapper hätte ausfallen können.
⬤ Einige Leser fanden die Argumentation etwas repetitiv und möglicherweise überbetont.
⬤ Der Wunsch nach detaillierteren Karten und Illustrationen zur Veranschaulichung von Schlachten und Feldzügen wurde geäußert.
⬤ Kritik an der vermeintlichen Voreingenommenheit des Autors gegenüber militärischen Strategien und Führern.
(basierend auf 61 Leserbewertungen)
The Allure of Battle: A History of How Wars Have Been Won and Lost
Die Geschichte neigt dazu, die Gewinner und Verlierer eines Krieges an den großen Schlachten zu messen, an Schlachten, deren Ergebnis so eindeutig war, dass sie als "entscheidend" bezeichnet werden können. Marathon, Cannae, Tours, Agincourt, Austerlitz, Sedan, Stalingrad - sie alle klingen in der Kriegsliteratur und in unserer Vorstellung von der Wende des Schicksals nach. Aber waren sie das? Wie Cathal J. Nolan in diesem meisterhaften und weitreichenden Werk zeigt, wurde der Sieg in großen Kriegen in der Regel auf andere Weise entschieden. Selbst die legendärsten und einseitigsten Schlachten waren nicht unbedingt ausschlaggebend für ihren Ausgang. Nolan stellt auch das verstaubte Konzept des militärischen "Genies" in Frage, selbst das der großen Feldherren - von Alexander bis Friedrich und Napoleon - und beschreibt stattdessen den Abstieg in den totalen Krieg.
The Allure of Battle" (Der Reiz der Schlacht) rekonstruiert und analysiert systematisch die großen Feldzüge der Großmächte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, vom Fall von Byzanz bis zur Niederlage der Achsenmächte, und spürt der Illusion des "Kurzkriegsdenkens" nach, der Hoffnung, dass der Sieg schnell und der Konflikt kurz sein könnte. Das ist fast nie der Fall gewesen. Selbst einseitige Schlachten haben hauptsächlich zum Sieg oder zur Niederlage beigetragen, indem sie die Aushöhlung der Verteidigung, der Ressourcen und des Willens der anderen Seite beschleunigten.
Massive Konflikte, die so genannten "Volkskriege", die mit Napoleon begannen und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs andauerten, wurden grundsätzlich durch lang anhaltende Pattsituationen und Zermürbung bestimmt, Kriege, in denen der entscheidende Faktor nicht taktischer, sondern industrieller Natur war.
Nolans meisterhaftes Buch stellt die Schlachten klar und schonungslos in den Kontext des größeren Konflikts, in dem sie stattfanden. Dabei trägt es dazu bei, eine verzerrte Sicht auf ihre Rolle im Krieg zu korrigieren, indem es die populären Bilder von "Entscheidungsschlachten" durch eine düstere Würdigung der für den Sieg notwendigen Opfer und Ausdauer ersetzt. Zugänglich, provokativ, erschöpfend und erhellend, wird The Allure of Battle eine neue Debatte über die Geschichte und die Führung von Kriegen entfachen.