
The Maker of Pedigrees: Jakob Wilhelm Imhoff and the Meanings of Genealogy in Early Modern Europe
Eine Geschichte genealogischer Wissensstrategien in der frühen Neuzeit.
In The Maker of Pedigrees erforscht Markus Friedrich die komplexe und faszinierende Welt der mitteleuropäischen Genealogiepraktiken während der Barockzeit. Anhand von Archivmaterial aus einem Dutzend europäischer Institutionen rekonstruiert er, wie Wissen über Adelsfamilien geschaffen, beglaubigt, verbreitet und veröffentlicht wurde. Jakob Wilhelm Imhoff, ein wohlhabender und gut vernetzter Patrizier aus Nürnberg, baute eine europäische Gemeinschaft von Genealogen auf, indem er ein transnationales Netzwerk von Mitarbeitern und Informanten zusammenstellte. Friedrich verwendet Imhoff als Fallbeispiel dafür, wie im 17. und 18. Jahrhundert Wissen produziert und verbreitet wurde.
Familienstammbäume waren wichtige Instrumente zur Definition von Dynastien, zur Organisation internationaler Beziehungen und zur Strukturierung des gesellschaftlichen Lebens. Doch in der frühen Neuzeit war das Wissen über die Genealogie mühsam zu beschaffen, schwierig zu beglaubigen und kompliziert zu veröffentlichen. Der Status der Genealogie als Quelle von Macht und Identität wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts noch ambivalenter, da sich das Feld in eine Vielzahl von zunehmend widersprüchlichen Formaten und Ansätzen aufspaltete. Die Genealogie wurde zu einem umstrittenen Wissensbereich, in dem eine heterogene Gruppe von Akteuren - darunter Aristokraten, Antiquare und Verleger - um die Autorität konkurrierte. Imhoff war eng mit allen wichtigen genealogischen Kulturen seiner Zeit verbunden, und er dient als nützliches Prisma, durch das das komplexe Feld der Genealogie in seiner verwirrenden Vielfalt studiert werden kann.