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The Glen Park Library: A Fairy Tale of Disruption
Wie Silicon Valley, das dunkle Netz und die digitale Kultur unser Verhältnis zu Wissen, Geschichte, Sprache, Ästhetik, Lesen und Wahrheit beeinflusst haben.
Im Oktober 2013 wurde der neunundzwanzigjährige Ross William Ulbricht in der Glen Park Public Branch Library in San Francisco verhaftet. Er wurde beschuldigt, der „Dread Pirate Roberts“ und Drahtzieher des als Silk Road bekannten Drogenmarktplatzes im dunklen Netz zu sein. Ulbricht war ein überzeugter Liberaler, der glaubte, dass Silk Road - von der New York Times als „das größte und raffinierteste kriminelle Unternehmen, das das Internet je gesehen hat“ beschrieben - gegen die Kräfte der großen Regierung kämpfte. Zwei Jahre später wurde er wegen Geldwäsche, Computer-Hacking und Verschwörung zum Drogenhandel zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Die Kunsthistorikerin Pamela Lee betrachtet dieses Ereignis eher als ein Märchen der Unterbrechung denn als eine isolierte Episode in der Geschichte des Dark Net, des Silicon Valley und der Beziehung zwischen öffentlichen Bibliotheken und der digitalen Kultur. Lee argumentiert, dass der Begriff der „disruptiven“ Technologie in der zeitgenössischen Kultur unser Verhältnis zu Wissen, Geschichte, Sprache, Ästhetik, Lesen und Wahrheit radikal verändert hat. Vor dem Hintergrund ihres Berichts über Ulbricht und seine Heldentaten bietet Lee originelle Lesarten von fünf Künstlerinnen - Gretchen Bender, Cecile B. Evans, Josephine Pryde, Carissa Rodriguez und Martine Syms -, die sich entweder explizit oder unabsichtlich mit dem Wesen der zeitgenössischen Medien und Technologien auseinandersetzen. Die als experimentelle Kunstkritik geschriebene Glen Park Library ist sowohl eine Hommage an die Bay Area als auch eine Abrechnung mit dem Ethos des Silicon Valley. Wie bei allen Märchen sind die eigentlichen Themen des Buches jedoch viel größer, und Lee wirft einen kritischen Blick auf die Kollisionen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit, Wissen und Information sowie Vergangenheit und Zukunft, die durch die technokratische Weltanschauung ermöglicht werden.