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Hagia Sophia and the Byzantine Aesthetic Experience
Der Bau der Kirche Hagia Sophia in Konstantinopel (532-537 n. Chr.) war für die Herausbildung der frühbyzantinischen Identität von entscheidender Bedeutung.
Dieses Buch untersucht das Bauwerk aus der Perspektive der Ästhetik, um den Begriff der Schönheit und die Bedeutung der Kunst im frühen Byzanz zu definieren. Das byzantinische ästhetische Denken wird vor dem Hintergrund des spätantiken Neoplatonismus und der Schriften des Pseudo-Dionysius neu bewertet, die grundlegende Paradigmen für die spätantike Einstellung zu Kunst und Schönheit bieten. Diese metaphysischen Konzepte der Ästhetik beruhen letztlich auf Empfindungs- und Wahrnehmungserfahrungen und spiegeln die Art und Weise wider, wie die Welt und die Wirklichkeit wahrgenommen und erfasst wurden, und sind Ausdruck der kulturellen Identität des frühen Byzanz.
Es gibt verschiedene Arten von ästhetischen Daten: solche, die im ästhetischen Objekt vorhanden sind, und solche, die sich in ästhetischen Reaktionen auf das Objekt finden. Diese Studie befasst sich mit den ästhetischen Daten, die in der architektonischen Struktur und der Innenausstattung der Hagia Sophia aus dem sechsten Jahrhundert sowie in den literarischen Reaktionen (Ekphrasis) auf das Gebäude enthalten sind. Der Zweck der byzantinischen Ekphrasis bestand darin, mit verbalen Mitteln die gleichen Wirkungen zu vermitteln, die das Artefakt selbst hervorgerufen hätte.
Eine literarische Analyse dieser rhetorischen Beschreibungen fängt die byzantinischen Wahrnehmungen und Erwartungen wieder ein und offenbart gleichzeitig die kognitiven Prozesse, die durch die Große Kirche ausgelöst wurden. Das zentrale ästhetische Merkmal, das aus den Ekphraseis der Hagia Sophia aus dem sechsten Jahrhundert hervorgeht, ist das des Lichts. Licht wird als das entscheidende Element in der Erfahrung des heiligen Raums beschrieben, und Licht wird gleichzeitig mit dem Begriff der Weisheit in Verbindung gebracht.
Es wird argumentiert, dass die Konzepte von Licht und Weisheit miteinander verwobene programmatische Elemente sind, die der einzigartigen Architektur und der nicht-figurativen Dekoration der Hagia Sophia zugrunde liegen. Ein ähnliches Interesse am Phänomen des Lichts und seiner erkenntnistheoretischen Dimension spiegelt sich in anderen zeitgenössischen Monumenten wider, was die Allgegenwärtigkeit dieser ästhetischen Werte im frühen Byzanz bezeugt.