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The Hand of Compassion: Portraits of Moral Choice During the Holocaust
Durch bewegende Interviews mit fünf gewöhnlichen Menschen, die während des Holocausts Juden gerettet haben, wirft Kristen Monroe ein neues Licht auf eine Frage, die im Zentrum der Ethik steht: Warum riskieren Menschen ihr Leben für Fremde und was treibt solche moralischen Entscheidungen an? Monroes Analyse verweist nicht auf traditionelle Erklärungen - wie Religion oder Vernunft -, sondern auf die Identität. Die Selbstwahrnehmung der Retter im Verhältnis zu anderen machte ihre außergewöhnlichen Handlungen spontan und ließ den Rettern keine andere Wahl als zu handeln. Juden abzuweisen, war für sie buchstäblich unvorstellbar. In den Worten eines deutsch-tschechischen Retters: "Die Hand des Mitgefühls war schneller als das Kalkül der Vernunft.
Im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen Buches stehen Interviews mit den Rettern, vielschichtigen Menschen aus allen Teilen des Dritten Reiches und allen Lebensbereichen: Margot, eine wohlhabende Deutsche, die im holländischen Exil Juden rettete; Otto, ein in Prag lebender Deutscher, der mehr als 100 Juden rettete und überraschende Informationen über das Komplott zur Ermordung Hitlers lieferte; John, ein Holländer, der auf der Liste der Meistgesuchten der Gestapo stand; Irene, eine polnische Studentin, die achtzehn Juden im Haus des deutschen Majors versteckte, für den sie den Haushalt führte; und Knud, ein dänischer Polizist aus Kriegszeiten, der an der außergewöhnlichen Rettung von 85 Prozent der Juden seines Landes beteiligt war.
Wir hören, wie die Retter selbst von ihrem Leben und ihren Bemühungen zur Rettung der Juden erzählen. Monroes Analyse dieser Geschichten stützt sich auf Philosophie, Ethik und politische Psychologie, um aufzuzeigen, warum und wie Identität unsere Entscheidungen sowohl kognitiv als auch ethisch einschränkt. Ihre Arbeit bietet einen starken Kontrapunkt zu konventionellen Argumenten über rationale Entscheidungen und ist eine wertvolle Ergänzung zur Literatur über Ethik und Moralpsychologie. Es ist eine dramatische Beleuchtung der Macht der Identität, die unsere grundlegendsten politischen Handlungen prägt, einschließlich unseres Umgangs mit anderen.
Aber Monroe lässt uns immer wieder zu den Rettern zurückkehren, zu ihren starken Stimmen, die uns daran erinnern, dass der Holocaust nicht hätte geschehen müssen, und die die Gedanken der ethisch Vorbildlichen offenbaren, als sie sich durch den moralischen Treibsand des Holocausts bewegten.