Bewertung:

Das Buch „The Bodies of G-d and the World of Ancient Israel“ von Benjamin D. Sommer bietet eine wissenschaftliche und gut recherchierte Untersuchung darüber, wie die alten Israeliten die Verkörperung Gottes und die Beziehung zur Gottheit inmitten anderer Kulturen wahrnahmen. Es stellt traditionelle Interpretationen in Frage und präsentiert ein fließenderes, komplexeres Verständnis des Göttlichen, das sich von den gängigen religiösen Ansichten unterscheidet.
Vorteile:⬤ Exzellente Wissenschaft, die gut recherchiert und auch für Nicht-Akademiker leicht zugänglich ist.
⬤ Bietet faszinierende Einblicke in die Beweglichkeit des alten israelitischen Glaubens im Vergleich zu modernen Ansichten.
⬤ Bietet einen umfassenden Überblick über biblische Bezüge und relevante historische Kontexte.
⬤ Hinterfragt herkömmliche Vorstellungen von der Körperlichkeit Gottes und stellt alternative Interpretationen vor, die das Verständnis des Lesers bereichern.
⬤ Klare Definition des Begriffs „Körper“, die die Klarheit und das Verständnis in der Diskussion fördert.
⬤ Einige Leser könnten die Spekulationen über antike Praktiken und Glaubensvorstellungen für unbegründet halten, da die Belege oft indirekt sind.
⬤ Der akademische Charakter des Buches könnte Gelegenheitsleser abschrecken, die kein tiefes Interesse an biblischer Wissenschaft haben.
⬤ Das Buch könnte aufgrund seiner Interpretationen bei Fundamentalisten verschiedener Religionen Unbehagen hervorrufen.
⬤ Einige Rezensenten hätten sich mehr Kontext über die Denkweise der antiken Völker gewünscht, um klarere Einsichten zu gewinnen.
(basierend auf 10 Leserbewertungen)
The Bodies of God and the World of Ancient Israel
In The Bodies of God and the World of Ancient Israel (Die Körper Gottes und die Welt des alten Israel) untersucht Benjamin D. Sommer die Vorstellung von Körper und Selbst einer Gottheit im alten Israel, Kanaan und Mesopotamien.
Er deckt eine verlorene altorientalische Vorstellung von Göttlichkeit auf, der zufolge ein wesentlicher Unterschied zwischen Göttern und Menschen darin bestand, dass Götter mehr als einen Körper und ein fließendes, unbegrenztes Selbst hatten. Obwohl die vorherrschenden Strömungen der biblischen Religion dies ablehnten, findet sich in einigen biblischen Texten eine monotheistische Version dieser theologischen Intuition. Spätere jüdische und christliche Denker übernahmen diese alte Denkweise; Ideen wie die Sefirot in der Kabbala und die Trinität im Christentum stellen eine späte Version dieser Theologie dar.
Dieses Buch zwingt uns, die Unterscheidung zwischen Monotheismus und Polytheismus zu überdenken, da diese Vorstellung von der göttlichen Fluidität sowohl in polytheistischen (Babylonien, Assyrien, Kanaan) als auch in monotheistischen Kulturen (biblische Religion, jüdische Mystik, Christentum) anzutreffen ist, während sie in einigen polytheistischen Kulturen (klassisches Griechenland) nicht vorhanden ist. The Bodies of God and the World of Ancient Israel hat wichtige Auswirkungen nicht nur auf die Bibelwissenschaft und die vergleichende Religionswissenschaft, sondern auch auf den jüdisch-christlichen Dialog.