Bewertung:

Die Rezensenten loben das Buch als ein hervorragendes Werk von Reinhart Koselleck und heben die profunden theoretischen Beiträge zur Geschichtsphilosophie und die Relevanz für die Leser hervor. Auch die Lieferung und der Service rund um das Buch werden gelobt.
Vorteile:Hochwertig geschrieben, wertvolle Einblicke in die historische Theorie, ausgezeichneter Lieferservice, von mehreren Rezensenten sehr empfohlen.
Nachteile:In den Rezensionen werden keine wesentlichen Nachteile genannt.
(basierend auf 4 Leserbewertungen)
The Practice of Conceptual History: Timing History, Spacing Concepts
Reinhart Koselleck ist einer der wichtigsten Theoretiker der Geschichte und Geschichtsschreibung des letzten halben Jahrhunderts. Sein Werk hat Auswirkungen auf die zeitgenössischen Kulturwissenschaften, die weit über die Diskussion der praktischen Probleme der historischen Methode hinausgehen. Er ist der bedeutendste Vertreter und Praktiker der Begriffsgeschichte, einer Methodologie der Geschichtswissenschaft, die sich auf die Erfindung und Entwicklung der grundlegenden Konzepte konzentriert, die einer spezifisch historischen Art und Weise, in der Welt zu sein, zugrunde liegen und sie informieren.
Die achtzehn Aufsätze dieses Bandes veranschaulichen die vier Thesen von Kosellecks Geschichtsbegriff. Erstens ist der historische Prozess durch eine besondere Art von Zeitlichkeit gekennzeichnet, die sich von der Zeitlichkeit in der Natur unterscheidet. Diese Zeitlichkeit ist mehrstufig und unterliegt unterschiedlichen Beschleunigungs- und Verlangsamungstempi und fungiert nicht nur als Matrix, innerhalb derer sich historische Ereignisse abspielen, sondern auch als kausale Kraft bei der Bestimmung der sozialen Wirklichkeit an sich.
Zweitens ist die historische Realität eine soziale Realität, eine intern differenzierte Struktur funktionaler Beziehungen, in der die Rechte und Interessen einer Gruppe mit denen anderer Gruppen kollidieren und zu solchen Konflikten führen, in denen die Niederlage als ethisches Versagen erlebt wird, das eine Reflexion darüber erfordert, "was falsch gelaufen ist", um die historische Bedeutung des Konflikts selbst zu bestimmen.
Drittens ist die Geschichte der Geschichtsschreibung auch eine Geschichte der Entwicklung der Sprache der Historiker. In dieser Hinsicht konvergiert Kosellecks Arbeit mit der von Barthes, Foucault und Derrida, die alle den Status der Geschichtsschreibung als Diskurs und nicht als Disziplin betonen und den konstitutiven Charakter des historischen Diskurses gegenüber seinem Anspruch auf buchstäbliche Wahrhaftigkeit hervorheben.
Der vierte Aspekt von Kosellecks Auffassung des Geschichtsbegriffs besteht schließlich darin, dass ein richtig historisierender Geschichtsbegriff von der Erkenntnis geprägt ist, dass das, was wir Moderne nennen, nichts anderes ist als ein Aspekt der Entdeckung des Geschichtsbegriffs in unserer Zeit. Die Aporien der Moderne - in Kunst und Literatur ebenso wie in den Geistes- und Naturwissenschaften - sind eine Funktion der Entdeckung der Historizität von Gesellschaft und Wissen.