Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 5 Stimmen.
Romancing the Maya: Mexican Antiquity in the American Imagination, 1820-1915
Im ersten Jahrhundert der Unabhängigkeit Mexikos entdeckten europäische und amerikanische Entdecker die vorspanische Vergangenheit des Landes wieder. Sie fanden die vom Dschungel bedeckten Ruinen verlorener Städte und Artefakte, die mit unverständlichen Hieroglyphen beschriftet waren - und da sie keine Ahnung vom Alter, der Urheberschaft oder dem Zweck dieser Altertümer hatten, machten sich Amateur-Archäologen, Künstler, Fotografen und religiöse Schriftsteller daran, das vorspanische Erbe Mexikos als rechtmäßigen Teil des kulturellen Erbes der Vereinigten Staaten zu beanspruchen.
In diesem aufschlussreichen Werk geht Tripp Evans der Frage nach, warum sich die Amerikaner des 19. Jahrhunderts berechtigt fühlten, sich das kulturelle Erbe Mexikos als das der Vereinigten Staaten zu eigen zu machen. Er konzentriert sich dabei auf fünf bekannte Persönlichkeiten: den amerikanischen Schriftsteller und Amateurarchäologen John Lloyd Stephens, den britischen Architekten Frederick Catherwood, Joseph Smith, den Gründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, und die französischen Emigranten und Fotografen Desire Charnay und Augustus Le Plongeon.
Evans ordnet diese Persönlichkeiten in den historischen und kulturellen Kontext ein und deckt ihre unterschiedlichen Motive auf, darunter den von der Offenbarungsbestimmung inspirierten Wunsch, in New York City ein nationales Museum für amerikanische Altertümer zu errichten, den Versuch, die alten Maya als Teil der verlorenen Stämme Israels zu identifizieren (und damit das Buch Mormon zu untermauern), und die Hoffnung, zu beweisen, dass das alte Mesoamerika die Wiege der nordamerikanischen und sogar der nordeuropäischen Zivilisation war. Diese an sich schon faszinierenden Geschichten über die ersten Entdecker fügen der frühen Geschichte der mesoamerikanischen Archäologie ein wichtiges neues Kapitel hinzu.