
Creating the Unequal City: The Exclusionary Consequences of Everyday Routines in Berlin
Städte können als geografische Imaginationen betrachtet werden: Orten werden Bedeutungen zugeschrieben, so dass sie auf eine bestimmte Weise wahrgenommen, dargestellt und interpretiert werden. Wir können daher eher von "Stadt" als von "der Stadt" sprechen: Die Stadt ist immer im Entstehen begriffen.
Sie kann nicht als feste Struktur begriffen werden, in der die Menschen ihr Leben verbringen, und ist niemals stabil, da die Akteure mit geografischen Vorstellungen Interaktionsabläufe gestalten. Diese theoretische Perspektive auf die Stadt ist derzeit dabei, das Feld der Stadtforschung neu zu gestalten, was neue Formen der Theorie, der Vergleiche und der Methoden erfordert. Die Mainstream-Stadtforschung betrachtet Nachbarschaften als feste sozial-räumliche Einheiten, die Auswirkungen auf Gruppen von Bewohnern haben.
Sie haben jedoch nicht überzeugend empirisch nachgewiesen, dass die Nachbarschaft eine Einheit ist, die Auswirkungen erzeugt, und nicht nur ein statistisches Aggregat, in dem Auswirkungen gemessen werden können. Dieses Buch stellt dieses gängige Verständnis in Frage und plädiert für einen Ansatz, der die Auswirkungen von Stadtvierteln als Ergebnis von Prozessen der Marginalisierung und des Ausschlusses betrachtet, die auch anderswo in der Stadt ihren räumlichen Ausdruck finden.
Dies geschieht durch eine vergleichende Studie ungewöhnlicher Art: Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara, türkische und libanesische Mädchen der zweiten Generation sowie Alkohol- und Drogenkonsumenten, von denen einige obdachlos sind, gehören wohl zu den am stärksten benachteiligten Gruppen in der deutschen Hauptstadt Berlin, und zwar in innerstädtischen Vierteln und in Familien der Mittelschicht, die in selbst genutzten Wohnungen leben. In diesem Buch werden die städtischen Ungleichheiten durch die Linse der im Entstehen begriffenen Stadt analysiert, in der die Nachbarschaft zu bestimmten Zeiten, in bestimmten Praktiken und in bestimmten Momenten eine Rolle spielt, aber nicht der Ausgangspunkt ist.