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The Tempter's Voice: Language and the Fall in Medieval Literature
Warum war die Geschichte von Adam, Eva und der Schlange für die literarische Kultur des Mittelalters so wichtig? Eric Jager argumentiert, dass die Geschichte des Sündenfalls im Mittelalter in einen umfassenden Sprachmythos eingebunden war.
Anhand eines breiten Spektrums von Texten zeigt Jager, wie patristische und mittelalterliche Autoren den Sündenfall nutzten, um sich mit praktischen und theoretischen Problemen in vielen Bereichen des Lebens und Denkens auseinanderzusetzen - darunter Bildung, Hermeneutik, Rhetorik, Feudalpolitik und Geschlechterbeziehungen. Jager erforscht die Bedeutung des Sündenfalls für Kleriker und Laien, Adlige und Bürgerliche, Männer und Frauen.
Zu den Werken, die Jager bespricht, gehören Texte von Ambrosius, Augustinus, dem frühchristlichen Dichter Avitus und scholastischen Autoren, altenglische Bibelepen, mittelenglische geistliche Schriften, französische Höflichkeitsbücher und die Poesie von Dante und Chaucer. Auch Beispiele aus der bildenden Kunst sind enthalten. Jager bringt die mittelalterlichen Interpretationen des Sündenfalls mit den zugrundeliegenden kulturellen Ängsten in Bezug auf die Mehrdeutigkeit des Zeichens, die Instabilität der mündlichen Überlieferung, das Vergnügen am Text und die vielen rhetorischen Erscheinungsformen der Stimme des Versuchers in Verbindung.
Er bewertet auch das moderne und postmoderne Erbe des Sündenfalls und zeigt, wie dieser Mythos weiterhin zentrale Vorstellungen über Sprache verkörpert. Die Stimme des Verführers ist eine unverzichtbare Lektüre für Wissenschaftler und Studenten in Bereichen wie Mediävistik, Literaturtheorie, Gender-Theorie, vergleichende Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte und Religionsgeschichte.