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A Child Is Being Killed: On Primary Narcissism and the Death Drive
Die kraftvolle These dieses Buches ist, dass wir alle immer wieder und unaufhörlich das phantasmatische Bild von uns selbst, das uns von unseren Eltern eingeflößt wurde, zerstören müssen, um unser volles Selbst zu erreichen. Wir alle müssen das bekämpfen, was der Autor "primären Narzissmus" nennt, eine Projektion des Kindes, das unsere Eltern wollten. Dieser Gedanke - dass jeder von uns ein unbewusstes Geheimnis unserer Eltern als Last mit sich herumträgt, ein verborgenes Verlangen, das wir ausleben sollen, das wir aber töten müssen, um "geboren zu werden" - berührt einige der grundlegenden Fragen der psychoanalytischen Theorie. Darauf baut der Autor eine komplexe Analyse der Beziehung zwischen primärem Narzissmus und dem Todestrieb auf.
Jedes der fünf Kapitel des Buches beginnt mit einem oder mehreren Fallbeispielen, die aus der klinischen Erfahrung des Autors als Psychoanalytiker stammen. In diesen Studien verknüpft er sein zentrales Anliegen - das Bild des Kindes, das durch das unbewusste Begehren der Eltern entsteht - mit anderen Themen wie der Frage der Liebe, dem Konzept des Subjekts und dem Todestrieb. Im vorletzten Kapitel über die Übertragung stellt der Autor das gängige Verständnis von der Unbeweglichkeit des Analytikers in Frage. Was bedeutet eine solche Unempfindlichkeit, insbesondere im Zusammenhang mit einer "übertragenden Liebe" zwischen einer Patientin und einem Analytiker? Bei der Beantwortung dieser Frage bewertet die Autorin mit Nachdruck die Beziehung der Psychoanalyse zur Weiblichkeit, zur Frage "Was will eine Frau? ".
Die übergreifende These von Serge Leclaire führt zu einer provokanten Neuinterpretation der ödipalen Konfiguration. Leclaire schlägt vor, dass er von dem Kind bewohnt, verfolgt, heimgesucht und geschwächt wird, das hätte sterben müssen, damit Ödipus ins Leben hätte geboren werden können.