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Psychoanalyzing: On the Order of the Unconscious and the Practice of the Letter
Kaum ein theoretischer Diskurs hat einen größeren Einfluss auf die Literatur- und Kulturwissenschaften gehabt als die Psychoanalyse, und doch wird kaum ein theoretischer Diskurs so häufig missverstanden und missbraucht. In Psychoanalyzing bietet Serge Leclaire eine gründliche und klare Darstellung der Psychoanalyse, die aus der französischen "Rückkehr zu Freud" hervorgegangen ist. Er entfaltet und erläutert die oft rätselhaften Äußerungen von Jacques Lacan und arbeitet geduldig die zentralen Lehren der "Ecole freudienne" durch. Als prägnante, aber nuancierte Einführung in das Thema wird sich Psychoanalyzing als unentbehrlich für jeden erweisen, der sich für die Psychoanalyse interessiert, insbesondere für diejenigen, die sich für ihre Lacansche Rekonzeptualisierung und die linguistische Theorie des Unbewussten und seiner Auswirkungen interessieren.
Leclaires Studie ist besonders wertvoll, weil der Autor theoretische Fragen mit der psychoanalytischen Praxis verbindet. Das Eröffnungskapitel - über das Zuhören - unterstreicht die Notwendigkeit und die Unmöglichkeit der vom Analytiker geforderten "schwebenden Aufmerksamkeit" und bereitet den Leser auf die folgenden Kapitel vor, die sich mit Themen wie dem unbewussten Begehren, dem Sprechen über den Körper und der Einmischung des Objekts und des "Buchstabens" (d. h. des Signifikanten, der "materiellen Unterstützung, die der konkrete Diskurs von der Sprache entlehnt") befassen. Das letzte Kapitel - über die Übertragung - zeigt, wie sich der analytische Dialog von anderen Dialogen unterscheidet.
Trotz der Komplexität des Themas ist in diesem Buch nur sehr wenig selbstverständlich. Es vereinfacht die dargestellten Themen nicht, setzt aber auch nicht voraus, dass der Leser mit den Konzepten der Psychoanalyse vertraut ist, geschweige denn, dass er mit dem französischen Sprachgebrauch vertraut ist. Jedes grundlegende Konzept und jeder Begriff wird sorgfältig erklärt, so dass der Leser die Bedeutung von "Übertragung" oder "Urszene" kennt, bevor er zu den fortgeschritteneren Elementen der Psychoanalyse übergeht. Leclaires Text soll nicht einfach nur "benutzerfreundlich" sein; sein Ziel ist es, zu klären und voranzubringen, und nicht zu beeindrucken oder zu bekehren.