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An Analysis of Homi K. Bhabha's the Location of Culture
Homi K. Bhabhas 1994 erschienenes Werk The Location of Culture ist einer der Gründungstexte des als Postkolonialismus bezeichneten Zweigs der Literaturtheorie.
Der Postkolonialismus hat zwar viele Stränge, doch im Zentrum steht die Frage nach der Interpretation und dem Verständnis der Begegnungen zwischen den westlichen Kolonialmächten und den von ihnen kolonisierten Nationen auf der ganzen Welt. Die Kolonisierung war nicht nur ein wirtschaftlicher, militärischer oder politischer Prozess, sondern ein Prozess, der Kultur und Identität in der ganzen Welt radikal beeinflusste. Es ist ein Bereich, in dem die Interpretation in den Vordergrund rückt, und ein Großteil ihrer Kraft hängt von der Auseinandersetzung mit dem komplexen Erbe der kolonialen Begegnungen ab, indem die Bedeutung der Spuren, die sie in den kolonisierten Kulturen hinterlassen haben, sorgfältig und nachhaltig untersucht wird.
Bhabhas Schrift zeigt, wie so viele postkoloniale Gedanken, dass die Kunst der Klärung und Definition, die einer guten Interpretation zugrunde liegt, selten mit Vereinfachung gleichzusetzen ist. In der Tat geht es bei einer guten interpretativen Klärung oft darum, die verschiedenen Arten von Komplexität, die in einem einzigen Prozess oder Begriff eine Rolle spielen, aufzuzeigen und zu unterteilen.
Für Bhabha ist der Gegenstand die Identität selbst, wie sie in den Vorstellungen der Kolonialmächte über sich selbst zum Ausdruck kommt. In seiner Interpretation zerfällt das, was auf den ersten Blick als kohärentes Gedankengut hinter dem Kolonialismus erscheint, bald in eine komplexe Ansammlung sich verändernder Positionen - was dem postkolonialen Denken sehr viel näher kommt, als ein erster Blick auf seine manchmal erschreckende Komplexität vermuten lässt.