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A Middle Class Without Democracy: Economic Growth and the Prospects for Democratization in China
Welche Rolle kann die Mittelschicht bei einer möglichen Demokratisierung in einem so undemokratischen Land wie China, das sich erst spät entwickelt, spielen? Um diese tiefgreifende politische und theoretische Frage zu beantworten, untersucht Jie Chen die Einstellung und das Verhalten von Chinas neuer Mittelschicht zu Demokratie und Demokratisierung. Chens Arbeit basiert auf einem einzigartigen Datensatz, der aus einer Wahrscheinlichkeitsstichprobenerhebung und ausführlichen Interviews mit Einwohnern der drei chinesischen Großstädte Peking, Chengdu und Xi'an in den Jahren 2007 und 2008 gewonnen wurde, von denen jede einen bestimmten Stand der wirtschaftlichen Entwicklung im urbanen China repräsentiert. Die aus diesem Datensatz abgeleiteten empirischen Ergebnisse bestätigen, dass (1) die neue chinesische Mittelschicht - insbesondere die im Staatsapparat Beschäftigten - im Vergleich zu anderen sozialen Schichten, insbesondere den Unterschichten, den gegenwärtigen Parteistaat tendenziell stärker unterstützt, demokratische Werte und Institutionen jedoch weniger befürwortet.
(2) Die Einstellung der neuen Mittelschicht zur Demokratie kann unter anderem durch die engen ideellen und institutionellen Bindungen dieser Klasse an den Staat und ihr wahrgenommenes sozioökonomisches Wohlergehen erklärt werden.
(3) die fehlende Unterstützung für die Demokratie in der Mittelschicht führt dazu, dass diese soziale Schicht zwar für den gegenwärtigen Zustand, aber gegen demokratische Veränderungen eintritt.
Die wichtigste politische Implikation ist, dass Chinas Mittelschicht zwar jetzt nicht als Vorbote der Demokratie dienen wird, dass sich ihre derzeitige Einstellung zur Demokratie aber in Zukunft ändern könnte. Ein solcher entscheidender Wandel in der Ausrichtung der Mittelschicht auf die Demokratie kann vor allem dann stattfinden, wenn ihre Abhängigkeit vom Parteistaat abnimmt und die Wahrnehmung ihres eigenen sozialen und wirtschaftlichen Status pessimistischer wird. Die wichtigste theoretische Schlussfolgerung aus den Ergebnissen ist, dass die Einstellungen und Verhaltensweisen der Mittelschicht - als Ganzes und als Teil - in Bezug auf den demokratischen Wandel in den späten Entwicklungsländern von ihrer Beziehung zum etablierten Staat und ihrem wahrgenommenen sozialen/wirtschaftlichen Wohlergehen abhängen und dass die Unterstützung der Mittelschicht für die Demokratie in diesen Ländern keineswegs unvermeidlich ist.