
Emmanuel Levinas (1906-1995) ist vielleicht eines der bestgehüteten philosophischen Geheimnisse der letzten Zeit. Indem er die Ethik als erste Philosophie verortete, die auf dem Ruf des Anderen basiert, hat Levinas die westliche philosophische Tradition revolutioniert.
In der Tat wird die immerwährende Priorität des Selbst durch die unheimliche Dringlichkeit des Anderen ersetzt. Emmanuel: Levinas und die Variationen über Gott mit uns gibt dem Leser eine Einführung in das Leben und Werk dieses bescheidenen philosophischen Genies. Levinas' Einsichten werden in verschiedenen Bereichen angewendet: interreligiöser Dialog, analytische versus kontinentale Philosophie, Recht und Freiheit, Mutterschaft, Kindheit, Hermeneutik und ethische Kontemplation.
Vor allem wird Levinas in ein lebendiges Gespräch mit Jean-Luc Marion gebracht. Levinas' Phänomenologie der Verkündigung wird im gesamten Buch mit Marions Phänomenologie der Manifestation konfrontiert.
Die erotische Liebe wird mit einer Liebe konfrontiert, die von der Verantwortung für den anderen erfüllt ist. Der Berg Karmel und der Berg Zion stehen sich in einer Topographie des Unendlichen gegenüber.
Der Leser wird die Vielfalt der behandelten Themen ebenso zu schätzen wissen wie die dynamische Interaktion zwischen Philosophie und Theologie. Angesichts der zersplitterten postmodernen Milieus der heutigen Welt waren die philosophischen Intuitionen von Emmanuel Levinas vielleicht für eine solche Zeit wie diese vorbereitet (Esth 4,14).