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Distant Horizons: Digital Evidence and Literary Change
So wie ein Reisender, der einen Kontinent überquert, nicht die Krümmung der Erde wahrnehmen kann, so kann ein Leben langes Lesen nicht die größten Muster erfassen, die die Literaturgeschichte organisieren.
Dies ist der Leitgedanke von Distant Horizons, das den Umfang der Daten, die uns durch digitale Bibliotheken neu zur Verfügung stehen, nutzt, um bisher schwer fassbare Fragen zur Literatur anzugehen. Ted Underwood zeigt, wie digitale Archive und statistische Werkzeuge unser Verständnis von Themen vertiefen können, die schon immer im Mittelpunkt humanistischer Forschung standen, anstatt Worte auf Zahlen zu reduzieren (wie oft befürchtet wird).
Ohne die Nützlichkeit altehrwürdiger Ansätze wie close reading, Narratologie oder Gattungsstudien in Abrede zu stellen, argumentiert Underwood, dass wir auch die größeren Bögen des literarischen Wandels lesen müssen, die uns aufgrund ihres schieren Umfangs verborgen geblieben sind. Mit Hilfe von close reading und distant reading zeichnet Underwood die Ausdifferenzierung von Gattungen, den Wandel von Geschlechterrollen und die überraschende Beharrlichkeit ästhetischer Urteile nach und zeigt, wie digitale Methoden die größere Landschaft der Literaturgeschichte ins Blickfeld rücken und die Schönheit und Komplexität, die wir an der Literatur schätzen, noch verstärken können.