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Essay on the Tragic
Peter Szondis bahnbrechendes Werk ist ein prägnantes und elegantes Argument für die Unterscheidung zwischen einer Philosophie des Tragischen und der von Aristoteles vertretenen Poetik der Tragödie. Der erste der beiden Teile des Buches besteht aus einer Reihe von Kommentaren zu philosophischen und ästhetischen Texten von zwölf Denkern und Dichtern zwischen 1795 und 1915: Schelling, Holderlin, Hegel, Solger, Goethe, Schopenhauer, Vischer, Kierkegaard, Hebbel, Nietzsche, Simmel und Scheler.
Die verschiedenen Definitionen der Tragödie werden nicht so sehr im Hinblick auf ihre spezifischen Philosophien gelesen, sondern vielmehr in der Art und Weise, wie ihre Ansichten bei der Analyse von Tragödien helfen, um einen allgemeinen Begriff des Tragischen zu etablieren. Im zweiten Teil werden exemplarische Analysen von acht Tragödien vorgestellt: Sophokles' Oedipus Rex, Calderons Das Leben ist ein Traum, Shakespeares Othello, Gryphius Leo Armenius, Racines Phaedra, Schillers Demetrius, Kleists Die Familie Schroffenstein und Buchners Dantons Tod. Die Lektüren setzen weder einen kontextbedingten Begriff des Tragischen voraus (wie in Hegels Idee des Konflikts zwischen zwei Rechtsordnungen), noch konzentrieren sie sich ausschließlich auf die expliziten Inhalte der Texte.
Vielmehr arbeiten sie die dialektischen oder aporetischen Strukturen heraus, die dem Tragischen zugrunde liegen. Die analysierten Werke repräsentieren die vier großen Epochen der tragischen Dichtung: das Zeitalter der griechischen Tragödie, die Barockzeit in Spanien, England und Deutschland, die französische Klassik und die Goethezeit.