
Eurasia 2.0: Russian Geopolitics in the Age of New Media
Dieses Buch erörtert die Rückkehr geopolitischer Ideen und Doktrinen in den postsowjetischen Raum mit besonderem Augenmerk auf dem neuen Phänomen der digitalen Geopolitik, einem übergreifenden Begriff für verschiedene politische Praktiken wie die Verbreitung geopolitischer Ideen im Internet, die Nutzung des Internets durch Politiker und Diplomaten zur Legitimation und Öffentlichkeitsarbeit sowie die virale Verbreitung geopolitischer Meme.
In verschiedenen Kapiteln werden die neuen Möglichkeiten und Gefahren untersucht, die mit dieser Digitalisierung von geopolitischem Wissen und geopolitischer Praxis verbunden sind. Unsere Autoren befassen sich mit neuen räumlichen Sensibilitäten und neuen Identitäten des globalen wie auch des lokalen Selbst, deren Entstehen durch das Internet begünstigt wird.
Sie untersuchen die jüngsten Rekonfigurationen des traditionellen imperialen Rätsels zwischen Zentrum und Peripherie. In Anlehnung an das Argument von Manuel Castells, dass sich sozialer Aktivismus im digitalen Zeitalter um kulturelle Werte herum organisiert, diskutieren die Aufsätze neue geopolitische Ideologien, die darauf abzielen, Russlands spirituelle Souveränität als einzigartige Zivilisation zu stärken, während sie gleichzeitig versuchen, Russland durch die Nutzung der russischsprachigen Diaspora oder den Einsatz traditionalistischer Rhetorik als eine größere Soft Power zu rebranding. Großmachtbilder, Feindbilder und visuelle Darstellungen von Russlands zukünftiger territorialer Expansion sind traditionelle Mittel zur Manipulation imperialer Freuden und geopolitischer Ängste.
Im Zeitalter der neuen Medien geschieht dies jedoch auf subtilere Weise, indem die Basis mobilisiert wird, private Informationskanäle in Anspruch genommen werden und die Geopolitik entpolitisiert wird. Angesichts der politischen Ereignisse der letzten Jahre ist es logisch, dass die Ukraine-Krise für die meisten Autoren den thematischen Hintergrund bildet.