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Gender and the South China Miracle: Two Worlds of Factory Women
Sowohl Yuk-ling, eine vielbeschäftigte Mutter zweier Kinder aus Hongkong, als auch Chi-ying, eine junge alleinstehende Frau aus einem abgelegenen Dorf in Nordchina, arbeiten in Elektronikfabriken, die demselben ausländischen Unternehmen gehören und identische elektronische Bauteile herstellen. Nach einem Jahrzehnt des Beschäftigungswachstums und zunehmender ausländischer Investitionen in Hongkong und Südchina nehmen beide Frauen an dem spektakulären wirtschaftlichen Wandel teil, der als das südchinesische Wunder bezeichnet wird. Doch wie Ching Kwan Lee in ihrer einzigartigen und faszinierenden Studie über Arbeiterinnen auf beiden Seiten der Grenze zwischen China und Hongkong zeigt, sind das Arbeitsleben und die Fabrikkulturen dieser Frauen sehr unterschiedlich.
In dieser reichhaltigen vergleichenden Ethnographie beschreibt Lee, wie zwei radikal unterschiedliche Fabrikkulturen in einer Zeit des tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandels entstanden sind. In Hongkong bleiben die "Matronen" jahrzehntelang in den Fabriken. In Guangdong reist eine scheinbar endlose Zahl junger "Jungfernarbeiterinnen" aus den nördlichen Provinzen in den Süden, weil sie sich dort höhere Löhne versprechen. Während die Frauen in Hongkong an einem Managementsystem beteiligt sind, das durch "familiäre Hegemonie" gekennzeichnet ist, finden die jungen Frauen in Guangdong ein internes Machtsystem vor, das auf regionaler Politik und verwandtschaftlichen Beziehungen oder "lokalistischer Despotie" beruht.
Nachdem Lee Seite an Seite mit diesen Frauen in beiden Fabriken gearbeitet hat, kommt er zu dem Schluss, dass es vor allem die Unterschiede in der Geschlechterpolitik der beiden Arbeitsmärkte sind, die die Kultur der jeweiligen Fabrik bestimmen. Lee stellt eine ehrgeizige Herausforderung für soziologische Theorien dar, die Arbeitspolitik auf reine Ökonomie oder staatliche Machtstrukturen reduzieren, und argumentiert, dass das Geschlecht eine entscheidende Rolle in den Kulturen und Managementstrategien von Fabriken spielt, die in hohem Maße auf weibliche Arbeitskräfte angewiesen sind.