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Homo Juridicus: On the Anthropological Function of the Law
In diesem bahnbrechenden Werk untersucht der französische Rechtswissenschaftler Alain Supiot das Verhältnis der Gesellschaft zum Rechtsdiskurs.
Er vertritt die Auffassung, dass das Recht die Art und Weise ist, wie Gerechtigkeit in der säkularen Gesellschaft umgesetzt wird, aber es ist nicht nur eine Technik, die nach Belieben manipuliert werden kann: Es ist auch ein Ausdruck der Grundüberzeugungen des Westens. Wir müssen seinen universalisierenden, dogmatischen Charakter erkennen und für andere Interpretationen aus nicht-westlichen Kulturen empfänglich werden, um den Kampf der Kulturen zu vermeiden.
In Homo Juridicus dekonstruiert Supiot die Illusion einer Welt, die „flach“ und undifferenziert geworden ist, die nur durch vermeintliche „Gesetze“ der Wissenschaft und der Wirtschaft reguliert wird und die von Vertragspartnern bevölkert wird, die nur von der Berechnung ihrer individuellen Interessen geleitet werden. Eine solche liberale Perspektive ist nichts anderes als die Kehrseite der Vorstellung vom Absterben des Rechts und des Staates, die diesmal nicht unter dem Banner des Klassenkampfes, sondern im Namen des freien Wettbewerbs zwischen souveränen Individuen propagiert wird.
Supiots Erkundung der Entwicklung des Rechtssubjekts - des Individuums, das durch ein dichtes Netz von Verträgen und Gesetzen geformt wird - ist auf dem besten Weg, ein Klassiker der Gesellschaftstheorie zu werden.