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Governance by Numbers: The Making of a Legal Model of Allegiance
Der vom Westen gehegte Traum von sozialer Harmonie durch Zahlen stört heute alle unsere vertrauten rechtlichen Rahmenbedingungen - den Staat, die Demokratie und das Recht selbst. Seine wissenschaftlich geprägte Vision hat sowohl den Taylorismus als auch die sowjetische Planung geprägt, und heute, im Zuge der „Globalisierung“, blüht sie in Form des Regierens nach Zahlen.
In Abkehr vom Ziel des Regierens auf der Grundlage gerechter Gesetze und gestärkt durch die Informations- und Kommunikationstechnologien setzt sich das Regieren für ein neues normatives Ideal der Erreichung messbarer Ziele ein. Programme treten an die Stelle von Gesetzen, und Governance ersetzt die Regierung. Die Verwaltung durch Zielvorgaben lässt jedoch Formen des Rechts wieder aufleben, die typisch für das wirtschaftliche Vasallentum sind.
Wenn eine Person nicht mehr durch ein für alle gleichermaßen geltendes Recht geschützt ist, besteht die einzige Lösung darin, jemandem, der stärker ist als man selbst, die Treue zu schwören. Die Herrschaft des Rechts hatte bereits das Prinzip der unpersönlichen Macht gesichert, aber indem dieses Prinzip auf die Spitze getrieben wurde, hat das Regieren nach Zahlen paradoxerweise eine Welt hervorgebracht, die von Treuebindungen beherrscht wird.