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Beyond Papillon: The French Overseas Penal Colonies, 1854-1952
Für französische Kriminologen und Kolonialisten in der Mitte des 19. Jahrhunderts schienen die Strafkolonien in Guayana und Neukaledonien zwei Bedürfnisse zu erfüllen, nämlich eine wachsende Zahl von Kriminellen einzusperren und Arbeitskräfte für diese sich entwickelnden Kolonien zu liefern.
Aber waren diese beiden Ziele nicht widersprüchlich? War der Hauptzweck der Strafkolonien die Bestrafung oder die Kolonisierung? In den Gefängnissen fanden die Insassen Mittel zur Subversion, die Wärter widersetzten sich der militaristischen Disziplin, und die Lagerkommandanten kämpften mit den Ärzten um ihre Autorität. Zurück in der Metropole bedienten journalistische Berichte die Faszination der Öffentlichkeit für den Schrecken und die Exotik der Strafkolonien. Um das moderne Frankreich zu verstehen, muss man sich mit dieser Einrichtung auseinandersetzen, die mehr als ein Jahrhundert lang existierte und in der mehr als hunderttausend Menschen inhaftiert waren.
Stephen A. Toth lädt die Leser dazu ein, die Gefängnisse aus erster Hand zu erfahren.
Anhand einer sorgfältigen Analyse von Strafakten, Verwaltungsunterlagen und Häftlingsbiografien rekonstruiert Toth das Leben in den Strafkolonien und untersucht, wie die Sozialwissenschaften, die Tropenmedizin und der Sensationsjournalismus die Erfahrungen der Insassen auswerteten und ausschlachteten. Indem er die Diskrepanz zwischen dem Realen und dem Imaginären erforscht, geht er über mythische Charakterisierungen der Strafkolonien hinaus und zeigt auf, wie Macht, Disziplin und Bestrafung in diesen Gefängnisaußenposten konstruiert und durchgesetzt wurden.