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Mettray: A History of France's Most Venerated Carceral Institution
Die Strafkolonie von Mettray war eine private Erziehungsanstalt ohne Mauern, die 1840 in Frankreich zur Resozialisierung junger männlicher Straftäter gegründet wurde. Foucault verknüpfte ihre Eröffnung mit der bedeutendsten Veränderung des modernen Status von Gefängnissen. Stephen Toth nimmt uns nun endlich mit hinter die Tore, um zu zeigen, wie die Einrichtung Frankreichs Repression gegen kriminelle Jugendliche legitimierte und das nationale Strafvollzugssystem um eine einzigartige Ebene erweiterte.
Auf der Grundlage von Erkenntnissen aus Soziologie, Kriminologie, kritischer Theorie und Sozialgeschichte untersucht Stephen Toth die soziale Anatomie von Mettray und erforscht die Erfahrungen der Insassen. Mehr als 17.000 junge Männer durchliefen die Besserungsanstalt bis zu ihrer Schließung, und Toth ordnet ihre Kämpfe in die sich verändernden Vorstellungen von Kindheit und Jugend im modernen Frankreich ein. Mettray zeigt, dass die Kolonie ein schlecht durchdachtes, von inneren Widersprüchen geprägtes Projekt war. Die soziale Ordnung der Kolonie war geprägt von Unterwerfung und Subversion, da die Beamten um Ordnung und die Insassen um Autonomie kämpften.
Toths beeindruckende Archivarbeit legt das Wesen der Beziehungen zwischen Gefangenen und Verwaltern sowie zwischen ihnen offen. Er erforscht den Alltag des Lebens: Lebensbedingungen, Disziplin, Arbeit, Sex und Gewalt. Auf diese Weise lässt er die Eingesperrten zu Wort kommen und nicht nur die Mithäftlinge, deren Vorstellungen und Ziele die Geschichtsschreibung zu dominieren pflegen. Mettray ist vor allem eine zutiefst persönliche Beleuchtung des Lebens in der am meisten verehrten Institution Frankreichs, dem Gefängnis.