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Karl Abraham - At the Roots of Analytic Theory
Dieses Buch beschreibt das Leben von Karl Abraham, seine Arbeit in Zürich und Berlin und seine wissenschaftliche Beziehung zu Freud. Abraham verfasste wichtige Arbeiten, die die Grundlage der klinischen Psychoanalyse und der analytischen Technik bilden: Übertragung, Gegenübertragung, Narzissmus, Neid und Kindheitstrauma. Das Buch berücksichtigt insbesondere den Beitrag, den Abraham zum Verständnis des Problems der Trauer und der Melancholie geleistet hat, und zwar nicht nur durch seine diesem Thema gewidmeten Werke, sondern auch durch seinen Beitrag im Rahmen des ständigen wissenschaftlichen Austauschs mit Freud, wie er im Briefwechsel zwischen Freud und Abraham dokumentiert ist (Karnac, 2002).
Im letzten Kapitel "Was Abraham nicht verstehen konnte" beschreibt das Buch, wie Abraham, als er das Manuskript von Mourning and Melancholia las, einige Passagen von Freuds Text nicht ganz verstand. Er dachte lange nach, bis er sich eine Lösung für ein ungelöstes Problem vorstellen konnte - die Art und Weise, wie es dem Patienten gelingt, die Trauer zu überwinden. Dies geschieht, wenn das geliebte und verlorene Objekt wieder in seine innere Welt eingefügt wird, ein sehr wichtiges Konzept in der kleinianischen Entwicklung.
Eine These des Buches ist jedoch, dass einige von Abrahams Ideen nicht vollständig in Melanie Kleins Theorie integriert werden können und sich von ihrer Konzeptualisierung unterscheiden (z.B. hinsichtlich der Bedeutung des Todestriebs), obwohl sie weiterhin eine aktuelle und originelle Gültigkeit haben. Abraham ist auch wichtig für die Gründung der Berliner Poliklinik und die Schaffung der psychoanalytischen Ausbildung, die bis heute von vielen psychoanalytischen Gesellschaften übernommen wird.