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Classical Greek Tragedy
Classical Greek Tragedy widmet sich der Rekonstruktion, wie das ursprüngliche Publikum im Athen des fünften Jahrhunderts v. Chr.
der Aufführung von Tragödien bei den vom Stadtstaat und seinen wohlhabendsten Bürgern gesponserten dramatischen Festen Bedeutung verlieh. Dabei wird der Kontext der politischen und rechtlichen Strukturen Athens, der Geschlechterideologie, der religiösen Überzeugungen und anderer sozialer Kräfte einbezogen, die zur Rezeption des Dramas durch die Zuschauer beitrugen. Der Schwerpunkt liegt auf der Beziehung zwischen Darstellern und Zuschauern, und zwar nicht nur zwischen männlichen Bürgern, sondern auch zwischen Frauen, Metikern (freien Nichtbürgern) und Ausländern.
Die historische Entwicklung dieser Dynamik wird anhand von drei repräsentativen Tragödien aus einem Zeitraum von 50 Jahren nachgezeichnet: Aischylos' Sieben gegen Theben, Sophokles' Oedipus Rex und Euripides' Helena. Zu den Themen gehören die Rolle des Chors, der tragische Held, wiederkehrende mythische Figuren und Themen, aristotelische Beurteilungen der Bestandteile der Tragödie, Entwicklungen in der Architektur des Theaters und ihre Auswirkungen auf die Interaktionen der Figuren und die Räume, die sie einnehmen.
Allen diesen Diskussionen gemeinsam ist die Beobachtung, dass das Genre eine Realität jenseits des sichtbaren Bühnengeschehens artikuliert, die sich mit der Existenz der Figuren im gegenwärtigen Moment überschneidet und mit den religiösen Überzeugungen und der kollektiven Psychologie des Publikums in Einklang steht. Menschliche Stimmen im Aufführungsraum artikulieren mächtige Kräfte aus einer unsichtbaren Dimension, die durch Schwüre, Hymnen, Flüche und Gebete aktiviert werden und in Form von Orakeln und Prophezeiungen antworten, Formen des Diskurses, die für die Zuschauer der ursprünglichen Tragödienaufführungen von großer Bedeutung waren.