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Monologic Imagination
Das bahnbrechende und äußerst einflussreiche Werk von Michail Bachtin hat Wissenschaftler in den letzten Jahrzehnten dazu veranlasst, jeden Diskurs und jedes soziale Leben als inhärent „dialogisch“ zu betrachten. Kein Sprecher spricht für sich allein, denn unsere Worte werden immer zum Teil durch unsere Interaktionen mit anderen, vergangenen und zukünftigen, geprägt.
Außerdem gestalten wir uns nie ganz allein, sondern immer im Zusammenspiel mit anderen. Auf diese Weise hat Bachtin das moderne Verständnis von Sprache und Subjektivität entscheidend umgestaltet.
Und doch argumentieren die Autoren dieses Bandes, dass bei einer zu starken Fokussierung auf den Dialog etwas übersehen werden könnte: Viele Sprecher, vor allem in aufgeladenen politischen und religiösen Kontexten, arbeiten energisch an der Erstellung von Monologen, einstimmigen Aussagen, auf die die einzige erwartete Reaktion Zustimmung oder treue Wiederholung ist. Anhand ethnographischer Fallstudien aus den Vereinigten Staaten, dem Iran, Kuba, Indonesien, Algerien und Papua-Neuguinea argumentieren die Autoren, dass ein Fokus auf die „monologische Vorstellungskraft“ uns neue Einblicke in das politische Design und die religiöse Kraft von Sprachen gewährt und unser Verständnis für das notwendige Zusammenspiel zwischen monologischen und dialogischen Tendenzen vertieft.