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Myths of Harmony: Race and Republicanism During the Age of Revolution, Colombia, 1795-1831
Im Mittelpunkt dieses Buches steht ein grundlegender Moment für lateinamerikanische Rassenkonstrukte. Während der Großteil der zeitgenössischen Forschung die Erklärung für rassische Toleranz - oder deren Fehlen - auf die Kolonialzeit konzentriert hat, argumentiert Marixa Lasso, dass der Schlüssel zum Verständnis der Ursprünge der modernen Beziehungen zwischen den Ethnien später zu finden ist, im Zeitalter der Revolution.
Lasso weist die gängige Annahme zurück, dass die Subalternen passiv und den von Kreolen angeführten patriotischen Bewegungen entfremdet waren, und zeigt stattdessen, dass sich während der kolumbianischen Revolution freie Schwarze und Mulatten (pardos) aktiv an der Bewegung zum Sturz der spanischen Kolonialregierung beteiligten und gelegentlich sogar anführten. Als Teil ihrer Plattform erklärten die Patrioten die rechtliche Rassengleichheit für alle Bürger und verkündeten eine Ideologie der Harmonie und Brüderlichkeit für Kolumbianer aller Hautfarben. Die Tatsache, dass Schwarze im Diskurs der Revolution als Gleichberechtigte erwähnt wurden und später in republikanischen Regierungsämtern dienten, war eine radikale politische Neuerung. Diese Faktoren trugen dazu bei, einen mächtigen Mythos der Rassengleichheit zu schaffen - einen Mythos, der die revolutionären Aktivitäten in ganz Lateinamerika beflügeln sollte.
So entstand ein historisches Paradoxon, das für die lateinamerikanische Nationenbildung von zentraler Bedeutung ist: die Koexistenz des Grundsatzes der Rassengleichheit mit tatsächlichem Rassismus gleich zu Beginn der Republik. Ironischerweise bedeutete der Gleichheitsdiskurs, dass Beschwerden über Rassendiskriminierung als unpatriotische und spaltende Handlungen ausgelegt wurden - in ihrer extremsten Form wurden Schwarze beschuldigt, einen Krieg der Ethnien vorzubereiten. Lassos Arbeit lenkt die dringend benötigte Aufmerksamkeit auf die wichtige Rolle der antikolonialen Kämpfe bei der Gestaltung der heutigen Beziehungen zwischen den Ethnien und der rassischen Identität in Lateinamerika.